Prof. Lutz Becker – Studiendekan „Sustainable Marketing & Leadership“ a.d. Hochschule Fresenius Köln

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Prof. Dr. Lutz Becker - Studiendekan „Sustainable Marketing & Leadership“ a.d. Hochschule Fresenius Köln

Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


becker_lutz_100x135Prof. Dr. Lutz Becker

Prof. Dr. Lutz Becker ist seit einigen Monaten Studiendekan „Sustainable Marketing & Leadership“ an der Hochschule Fresenius in Köln. Er war zuvor in verschiedenen nationalen und internationalen Marketing- und Vertriebsfunktionen in der Konsumgüter- und IT-Branche, in der internationalen Managementberatung sowie als Mitgründer und Geschäftsführer von Softwareunternehmen tätig. Zuletzt war Lutz Becker acht Jahre hauptamtlicher Professor im internationalen Masterstudiengang „Leadership", sowie dem Bachelorstudiengang „International Marketing Management" an der Karlshochschule International University. Zu seinen Publikationen gehört z.B. "Unternehmen nachhaltig führen".


Lieber Herr Prof. Dr. Becker, ich freue mich sehr, dass Sie Sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und Ihre persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Das Ende der Arbeit
  • Projektökonomie
  • Intelligente Systeme

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Wir sind inmitten der letzten Phase, also der Vollendung oder auch des Showdowns der industriellen Revolution. Alles ist möglich. Es kommt für uns alle darauf an, was wir daraus machen oder mit uns machen lassen. Intelligente Systeme sind für mich zum Beispiel Roboter, die Handgriffe der Menschen imitieren, und immer mehr Arbeiten genau so flexibel, aber viel zuverlässiger, schneller und billiger als der Mensch machen können. Autonome Systeme, wie selbstfahrende Fahrzeuge, werden die Welt verändern. Uber ist nur ein Zwischenschritt zum selbstfahrenden Taxi. Aber auch kreative Arbeit wird abgelöst werden, da immer schnellere Rechner immer mehr Rechenoperationen durchspielen können. Dass Computer Schachweltmeister besiegen, ist auch da nur ein kleiner erster Schritt. Das alles wird letztlich, um den Begriff von Jeremy Rifkin aufzugreifen, zu einem Ende der Arbeit führen, wie wir sie kennen. Hinzu kommt die Projektwirtschaft - das atmenden Unternehmen, wie das vor genau 20 Jahren mal genannte habe, wird zur Regel. Die wirklich kritischen Ressourcen, die dafür notwendig sind, werden weiter optimiert. Zum Beispiel mittels Simulation von Personalbedarfen und Arbeitseinsätzen und stetige Optimierung der Arbeitsfähigkeit. Devices die den Schlafbedarf messen und reduzieren sollen („Quantified Self“) oder Social Freezing sind nur allererste Schritte zu einer endgültigen Optimierung des Menschen im Hinblick auf sein ökonomisches Wertschöpfungspotenzial. Das klingt dystopisch, aber die Geschichte zeigt, dass alles, was technisch möglich ist, irgendwann und irgendwo auch gemacht wird.

Was denken Sie wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Die meisten der Jobs, die wir heute kennen, wird es nicht mehr geben. Jobs werden fast nur noch für die da sein, die mit einem strategischen und kommunikativen Handwerkszeug ausgestattet, die großen Probleme der Menschheit lösen: Umwelt, Ressourcen, Soziales... und natürlich für die Menschen, die Unternehmen helfen, immer wieder neue Technologien zu entwickeln und zu implementieren. Jean-Pol Martin hat den wunderbaren Begriff „Weltverbesserungskompetenz“ geprägt – die wird die nächste Generation dringend brauchen. Auf keinen Fall sollte man versuchen, die technologischen Entwicklungen aufzuhalten, dann ist man, wie die Geschichte zeigt, ganz sicher auf der Verliererseite.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Wer brauchte vor 10 Jahren App-Programmierer, SEO Spezialisten oder Nachhaltigkeitsmanager? Technologie und gesellschaftliche Herausforderungen haben immer schon wesentlich den Bedarf und die Gestaltung der Arbeit bestimmt. Vor allem die Projektökonomie und das, was ich vor genau 20 Jahren mal das atmende Unternehmen genannt habe, haben sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Zudem hat die Internationalisierung dramatisch zugenommen. In großen Unternehmen ist es fast normal, dass man von Deutschland aus arbeitet, der australische Vorgesetzte gerade für einige Monate auf einem Projekt in Frankreich sitzt, man aber organisatorisch an einer Division in China oder USA angesiedelt ist. Das zieht Aspekte wie Shared und Distant Leadership nach sich, Führung wird dezentralisert und in der Organisation – bei immer engmaschigeren IT-gestützten Reporting- und Kontrollsystemen - auf eine breitere Basis gestellt. Deshalb haben internationale Unternehmen aktuell einen großen Druck, Führungskräfte in den traditionellen Hierarchien abzubauen und zugleich außerhalb dieser Hierarchien aufzubauen.

Warum ist das so? 
Es hat sich historisch immer das technisch-organisatorische Konzept durchgesetzt, das unter den gegebenen Umfeldbedingungen den höchsten Rationalisierungsvorteil mit sich bringt.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Theoretisch ist das das Jahr, in dem ich in Rente gehen kann. Aber die Rente ist auch ein aussterbendes Konzept. Das hat aber nicht damit zu tun, ob noch Arbeit da ist oder nicht – dafür gibt es andere Gründe. Ich hoffe, ich werde dann weiter mit Studierenden arbeiten, Vorträge halten und Führungskräfte begleiten - und wie alle Menschen hoffe ich, bei meiner Arbeit Spaß zu haben und dafür gut bezahlt werden. Vor allem wünsche ich mir, dass ich mit meiner Arbeit ein wenig an der Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen für die kommenden Generationen mitwirken kann.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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