Timm Kuhlmann – MitGründer & Geschäftsführer des StartUps „Die Talent-Werker“

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Timm Kuhlmann - MitGründer & Geschäftsführer des StartUps "Die Talent-Werker"

Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Timm-KuhlmannTimm Kuhlmann

gehört mit seinen 29 Jahren zur Gruppe der Generation Y und ist Gründer des StartUps „Die Talent-Werker“. Er hilft seinen Kunden tagtäglich dabei, passende Mitarbeiter für ihre Unternehmen zu finden und zu binden. Dabei ist die Zielsetzung der „Talent-Werker“ neben der fachlichen vor allem die menschliche Passung der neuen Mitarbeiter zum Unternehmen, zum Fachvorgesetzten und ins Mitarbeiter-Team.


Lieber Timm, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Augenhöhe
  • Authentizität
  • Digitalisierung

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 
Die drei Begriffe sind wesentliche Punkte die mein Leben und Arbeiten als „Talent-Werker“ begleiten und bestimmen. Als ich mich zusammen mit meinem Schwiegervater im April 2014 selbstständig gemacht habe, war die erste Überlegung, wie wir unsere Idee von einer neuen Art von Personalberatung vermarkten können. Daraus resultierte die Anmeldung in den bekannten Social Networks und meinem persönlichen Liebling, Twitter. Ich hatte vorher wenig Berührungspunkte mit Twitter und war schnell erstaunt wie einfach und unkompliziert der Austausch mit Leuten war, die die selben Themenschwerpunkte haben. Wenige Monate später, also heute, gehört die Arbeit mit den sozialen Medien zum Alltag und ist für uns zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Diese Relevanz der sozialen Medien und die damit immer weiter einhergehende Digitalisierung unseres Alltags und Berufslebens wird in den kommenden 10 Jahren immer weiter voranschreiten. Während unserer Zeit auf Twitter sind wir auf das Projekt „Augenhöhe“ aufmerksam geworden, die über eine Crowdfunding Kampagne ihren Film über Arbeit und Führung auf „Augenhöhe“ und neue Organisationsansätze in der Arbeitswelt ermöglichen wollten. Mir war sofort klar, dass dies genau unser Thema auf den Punkt bringt. Denn der ominöse „Fachkräftemangel“ ist meiner Meinung (noch) gar nicht existent (regionale Besonderheiten mal Außen vor) und in vielen Unternehmen aufgrund der fehlenden Augenhöhe einfach hausgemacht. Wer als Unternehmen wettbewerbsfähig auf dem Bewerbermarkt sein bzw. bleiben möchte, wird in Zukunft nicht mehr daran vorbei kommen, auf Augenhöhe mit seinen Mitarbeitern zu handeln und zu arbeiten. Zum Schluss kommen wir dann zu meinem Lieblingswort, der Authentizität. Das ist ein Thema, dass mich schon durch meine Studienzeit begleitet. Denn nichts ist schwieriger aber gleichzeitig so wirkungsvoll, wie wahre und echte Authentizität im Arbeitsleben. Für mich wurde es zum großen Thema während meiner Werkstudenten-Zeit, bei einem bekannten Mittelständler. Das Image, welches damals nach außen getragen wurde, war sehr modern, dynamisch, jung und offen. Als ich dann aber das Innere des Unternehmens kennenlernen durfte, war es schon ein gewisser Kulturschock. Nichts mehr von dem frischen und modernen Außenauftritt war zu sehen, das Konservative wurde sehr stark betont und gelebt. Im Punkt der Authentizität trennt sich in der Arbeitswelt ganz oft die Spreu vom Weizen. Das wird auch in den kommenden 10 Jahren weiter voranschreiten. Denn die Sinnhaftigkeit von Arbeit und die Übereinstimmung von Werten werden immer wichtiger werden.

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Ich bin der Überzeugung, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt immer weiter voran schreiten wird. Dies kann man gut oder schlecht finden, jedoch wird daran kein Weg mehr vorbeiführen. Allein der Wettbewerbsdruck auf einer immer näher zusammenrückenden Welt sorgt dafür, dass wir immer stärkeren Produktivitäts- und Effizienzmaßnahmen unterliegen. Hier hilft uns die Digitalisierung. Dabei werden feste und starre Arbeitsorte (Produktion mal ausgenommen) und Arbeitszeiten immer flexibler, um dem zunehmendem Bedarf und Verlangen nach der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ entgegenzukommen. Denn mit zunehmendem Wettbewerb und den immer komplexer werdenden Anforderungen an Mitarbeiter, steigt auch die Gefahr der Überforderung und des Verbrennens. Hier wird in den nächsten 10 Jahren eine der Hauptaufgaben der Unternehmen das nachhaltige Gesundheitsmanagement sein. Hiermit ist natürlich nicht nur die physische Gesundheit gemeint, sondern vor allem die geistige Gesundheit der Mitarbeiter. Auch die Mitarbeiter-Teams werden durchlässiger. Es gilt zunehmend Projekt- und Sonderaufgaben zu bearbeiten. Dabei werden immer wieder wechselnde Kompetenzen benötigt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir immer öfter mit verschiedenen Kollegen, also Charakteren, zu tun haben. Der gegenseitige  Austausch findet nun auch nicht mehr zwangsläufig physisch an einem Ort statt, sondern per Livestreams im Internet.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?
Im Großen und Ganzen ist das Leben und Arbeiten wesentlich schneller und komplexer geworden. Im Jahr 2004 habe ich gerade meine Ausbildung beendet. Ich kann mich noch daran erinnern wie wenig, im Vergleich zu heute, das Internet für die interne bzw. externe Kommunikation genutzt wurde. Damals haben wir uns noch am Anfang eines Arbeitstages zusammengesetzt und einen handschriftlichen Tagesplan erstellt, der dann abgearbeitet wurde. Wenn ich das mit heute vergleiche, ist das Tempo einfach wesentlich höher. Heute bin ich zum Teil schon den halben Tag damit beschäftigt E-Mails zu beantworten und nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu sortieren, obwohl man die meisten Dinge mit einem einfachen Telefonat wesentlich leichter hätte bearbeiten und klären können. Es ist meiner Erfahrung nach, auch zur Selbstverständlichkeit geworden, innerhalb kürzester Zeit auf Anfragen zu antworten. Oft wird einfach erwartet, dass auch nach den offiziellen Geschäftszeiten noch eingehende Mails beantwortet werden. Die zunehmende Sichtbarkeit in den sozialen Medien macht die ganze Sache natürlich nicht einfacher. Haben Sie schon mal eine Ausrede benutzt, um jemanden zu vertrösten, wurden dann aber via Facebook oder anderen Medien entlarvt? Nein? Dann hatten Sie entweder Glück oder verwenden sehr viel Energie darauf, keine Spuren zu hinterlassen ;-). Ein ganz aktuelles Beispiel ist die Veränderung auf dem Bewerbermarkt. Früher war es so gut wie unmöglich, zuverlässige Informationen über Unternehmen im Vorfeld einer Bewerbung zu bekommen. Man kannte das Unternehmen durch einen Bekannten oder weil es halt das größte Unternehmen im Ort war und man bewarb sich. Heute haben die Bewerber vielfältige Möglichkeiten, sich über Unternehmen vorab zu informieren. Hier ist es immer noch erstaunlich, wie wenig Unternehmen wissen, dass sie beispielsweise bei „Kununu.de“ (oder Xununu / vgl. Xing und Kununu) bewertet worden sind. Bei fehlenden Bewerbern für ein Unternehmen ist einer unserer ersten Blicke erst mal der, in die gängigen Bewertungsportale.

Warum ist das so? 
Ein Ansatz ist dabei bestimmt die Verknappung der Ressource „Zeit“. Im Laufe der Jahre ist die Erwartung an die Produktivität immer weiter gestiegen. Um dies zu bewältigen kam es zu einer immer weiter fortschreitenden Digitalisierung. Das Problem dabei ist nur der Spiral-Effekt. Wir versuchen immer mehr in immer kürzerer Zeit zu erledigen und denken dabei, wir würden uns durch schnellere Kommunikationsmethoden mehr Zeit sparen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wir denken scheinbar, dass wir effizient sind, sind dabei aber höchstens effektiv. Mein BWL Professor sagte damals schon immer: „Es ist zwar sehr effektiv mit einem Porsche morgens zur Uni zu kommen, effizient ist aber etwas anderes“. 🙂

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?
Den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen und das nicht unter dem betriebswirtschaftlichen Begriff als „Ressource“!

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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