Nadine Nobile – Teamleiterin beim „Haus der kleinen Forscher“

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Nadine Nobile - Teamleiterin beim "Haus der kleinen Forscher"

Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Nadine-NobileNadine Nobile

ist als Teamleiterin „Haus der kleinen Forscher“ in Berlin tätig, was schnell einen Bogen spannt von frühkindlicher Erziehung zu dem Arbeitsumfeld in dem diese Kinder zukünftig arbeiten werden.


Liebe Nadine, ich freue mich sehr, dass Du dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • sinngetrieben,
  • kooperativ
  • flexibel

Was verbindest Du mit diesen Begriffen?
Für mich ist es undenkbar meine Arbeitskraft einem Unternehmen oder einer Aufgabe zu widmen, hinter der ich nicht zu 100% stehe. Mein Antrieb Zukunft zu gestalten ist sehr groß. Dafür bringe ich mich mit Herzblut ein und habe gleichzeitig den Anspruch einen Mehrwert für die Gesellschaft zu leisten. Im Vordergrund steht die Sache – in meinem Fall ist das die frühkindliche Bildung – für die ich einen wertvollen Beitrag leisten möchte. In meinem beruflichen Umfeld erfahre ich täglich, dass ich mit diesem Leitmotiv nicht alleine bin. Der Wunsch nach einer Tätigkeit, die einen positiven Beitrag leistet, ist meines Erachtens sehr groß und wächst zunehmend. So haben wir in diesem Jahr in meinem Team zwei Kolleginnen eingestellt, die nach mehrjähriger Berufserfahrung in einer Bank bzw. bei einem Dienstleister sich bewußt für eine Tätigkeit im Bildungsbereich entschieden haben. Ihre Motivation dabei war nach der „ersten Karriere“ nun einer Tätigkeit nachzugehen, die Sinn stiftet. Auch wenn beide über 40 sind, gehören sie für mich zur „Generation Y“ . Meines Erachtens ist die „Generation Y“ keine Erscheinung innerhalb einer bestimmten Altersgruppe. Es ist meines ein „Phänomen“ das auf Menschen zutrifft denen viele Türen offen stehen und die sich gleichzeitig verantwortlich für die Gestaltung ihres eigenen Leben sehen. Wir leben in einer Gesellschaft in der gut ausgebildete Individuen ständig mit einer Vielfalt an Optionen (für ihre eigenes Leben) konfrontiert sind.  Je größer der Strauß an Möglichkeiten ist, desto kritischer fällt der Blick auf das, für was man sich entschieden hat. Denn die „Auswahl“ muss sich ständig messen mit all den anderen Türen, die verlockend offen stehen. Wenn man sich für eine „sinnstiftende Tätigkeit“ entschieden hat, ist die Bindung an diese Aufgabe deutlich höher. Die eigene Arbeit „macht“ Sinn und dient nicht mehr nur dem Lebensunterhalt und der Befriedigung individueller Interessen. Wenn die Arbeit von Sinn getrieben ist, dann bringen auch „Kooperationen“ einen echten Mehrwert. Dann geht es nicht mehr darum sich oder das eigene Unternehmen „individuell“ besser zu stellen sondern man unterwirft das eigene Handeln einem größeren Ziel. Ungeahnte Synergieeffekte werden dann möglich und die eingesetzten Ressourcen effektiv genutzt. Ohne was wir in Zukunft auch nicht auskommen werden ist Flexibilität. Nicht nur Kundenanforderungen und technischer Fortschritt machen flexible Reaktionen auf Unternehmensseite notwendig. Auch die Unternehmen und Teams werden sich flexibel auf die Bedarfe von Mitarbeitern einstellen müssen. Der Anteil berufstätiger Frauen nimmt stetig zu, damit steigt aber auch der Bedarf die Verantwortung für den eigenen Nachwuchs oder auch die Pflege von Angehörigen mit dem Beruf in Einklang zu bringen. Aber auch der Wunsch nach persönlicher Entwicklung und Entfaltung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch hierfür werden Mitarbeiter immer öfter Regelungen für Sabbatical oder flexible Arbeitszeitmodelle einfordern.

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten?
Mmh, spannende Frage. Vor allem das “Wie” beschäftigt mich derzeit auch in meinem aktuellen Job. Ich wünsche mir eine Zusammenarbeit, die sachorientiert die Menschen einbezieht, die Expertinnen und Experten für ein Thema sind, los gelöst von hierarchischen Ebenen und Top-Down-Management. Meines Erachtens werden in zehn Jahren viele Menschen entweder in wechselnden Projekten arbeiten oder Beziehungsmanagement zwischen Teams und Organisationen gestalten. In meiner Vorstellung steht die “gemeinsame Arbeit” an Lösungen, Dienstleistungen und Produkten im Mittelpunkt. Die Arbeitsorganisation und Zusammensetzung von Teams passt sich dabei flexibel den Marktanforderungen und / oder dem Projektverlauf an. Dabei bilden sich “Netzwerke”, aus denen sich die Mitglieder der Projektteams rekrutieren. Der Anteil an freiberuflichen Mitarbeitern wird dabei kontinuierlich steigen und damit auch die Anzahl von Berufstätigen, die für mehr als einen Arbeitgeber tätig sind. Das “wo” ist für mich (fast) vernachlässigbar. Das ist eine Frage, die sich, den Bedingungen und Anforderungen der Zusammenarbeit anpassen wird. Eines ist dabei sicher, auch beim Thema “Arbeitsort” wird es zu einer weiteren Flexibilisierung kommen. Mehr Homeoffice, mehrere flexible Arbeitsorte, mehr virtuelle Zusammenarbeit.  Auf der anderen Seite wird die Qualität der “analogen Zusammenarbeit” an Bedeutung gewinnen. Dann werden wir persönliche Treffen nutzen um “Beziehungen zu gestalten” und “gemeinsames Verständnis” zu entwickeln und abzusichern.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?
Seit 2004 hat sich für mich einiges getan. Damals hatte ich gerade meinen Berufseinstieg als Assistentin eines Geschäftsführers, heute bin ich Teamleitung für ein Team mit mehr als 20 Kolleginnen und Kollegen. Aber auch bezogen auf die Arbeitswelt hat sich einiges getan - vor allem in Bezug auf die Kommunikation mit Arbeitskollegen, Dienstleistern und Kunden. Mein Eindruck ist, dass die Anzahl an Telefonaten stetig abnimmt, die Kommunikation per E-Mail aber immer weiter zunimmt. 2004 habe ich eine handvoll Briefe erhalten und etwa 10 - 15 E-Mails. Heute trudeln in mein E-Mail-Fach zwischen 40 und 50 Nachrichten und Kalendereinträge pro Tag rein - ein Kommunikationsstrom den ich gerne hin und wieder unterbrechen würde. Auch der Einsatz von mobilen Geräten ist dank fast immer und überall verfügbarem Internetzugang nicht mehr wegzudenken. Es ist schon fast amüsant, wie sehr sich Menschen über mangelhafte Internetanbindung in Restaurants, Zügen oder Hotels aufregen können. Man könnte dabei den Eindruck bekommen W-Lan  wäre ein im Grundgesetz verankertes Grundrecht. Ich kann mich noch an den Freudentaumel erinnern, der vor gut sechs Jahren das W-Lan im Bürogebäude meines ehemaligen Arbeitgebers ausgelöst hat - heute gehört so etwas zur normalen Infrastruktur - und wehe das funktioniert nicht.

Warum ist das so?
Weil es technisch möglich und (fast) jeder es sich finanziell leisten kann - was nicht bedeutet, dass es auch immer einen Mehrwert erbringt.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?
Für die Arbeitswelt 2025 wünsche ich mir, dass wir bald schon lernen intelligent mit dem Überangebot an Informationen umzugehen, das uns bereit steht und uns in Zukunft noch zusätzlich bereit stehen wird. Eine Herausforderung, die uns in den kommenden Jahren sicherlich  intensiv beschäftigen und bewegen wird. Bezogen auf die Zusammenarbeit mit anderen Menschen wünsche ich mir, dass ich, aber auch die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten werde, gelernt haben, verantwortungsvoll mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Voraussetzung hierfür ist, dass wir lernen, selbstbewußt die eigenen Kompetenzen aber auch Grenzen anzuerkennen und gleichzeitig emanzipiert,  reflektiert und auf Augenhöhe in Teams zu agieren. Wenn wir das gelernt haben, werden wir unsere Energie und Zeit nicht nur effektiver einsetzen können, sondern vor allem auch genau wissen, wann wir die “Pause-Taste” drücken müssen, um unsere Kreativität aber auch Energiereserven wieder auftanken zu können.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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