Christoph Karsten – der Elbcoach, Führungskraft und Berater

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Christoph Karsten - der Elbcoach, Führungskraft und Berater

Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Christoph-KarstenChristoph Karsten

ist der „elbcoach“. Er begleitet Menschen und Organisationen in Veränderungen, auf dem Weg zu sich selbst und zu neuen spannenden Aufgaben, gerne am und auf dem Wasser. Zuvor und daneben war er lange Jahre als Führungskraft und Berater in der Luftfahrtindustrie tätig, ohne dadurch abgehoben zu sein.


Lieber Christoph, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast, Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Coworking
  • Netzwerke
  • konstruktives Chaos

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 
Damit verbinde ich die Vorstellung, dass Arbeit in Zukunft schnelllebiger, dynamischer, komplexer wird und alles, was wir heute klassischerweise damit assoziieren, also beispielsweise Planung, Prozesse, Strukturen, Hierarchien, aber auch Miteinander, Beziehungen, Kommunikation, persönliche Entwicklung und Privatleben dadurch anders gedacht und gemacht werden muss – wenn man denn nicht irgendwann aufwachen und feststellen will, dass man die letzten 30 Jahre ausschließlich fremde Hamsterräder gedreht hat. Ich glaube, dass die Grenzen zwischen Unternehmen, Konzernen, Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern, Konkurrenz, Wettbewerb usw. unschärfer werden und dass diese Begriffe wahrscheinlich auch zumindest teilweise neu definiert werden, da die Herausforderungen für „Arbeit“ sich in Zukunft schneller ändern werden als eine klassische Unternehmensstruktur daraus angemessen reagieren könnte. Und dann kommt da noch der Aspekt hinzu, dass über Themen wie „Generation Y“, „Feelgood Management“, „Work-Life-Bullshit“, „Beruf & Familie“ und was es da nicht noch alles gibt, Menschen zunehmend einen Anspruch an ihr Berufsleben haben, der weit über „Da geh'' ich nur wegen der Kohle hin, Spaß hab'' ich in meiner Freizeit.“ hinausgeht. Also werden wir in Zukunft deutlich stärker darauf achten, mit wem wir denn den Großteil unseres üblichen Werktages verbringen und ob uns das, was wir da tun, auch in irgendeiner Weise erfüllt. Und da Beziehungen sich immer wieder ändern (Zitat Stoppok: „Freunde komm'', Fremde geh''n.“) sind wir auf flexible Strukturen in unseren Arbeitsverhältnissen angewiesen, die dem dann auch durch neue Arbeitsumfelder, die Möglichkeit, das Team oder Projekt zu wechseln usw. Rechnung tragen. Wenn ich all diese Aspekte „zusammendenke“, komme ich dann eben auf die o.g. Begriffe.

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Wenn man das so pauschal beantworten könnte... Kann man bzw. ich aber nicht. Wenn Du mit „wir“ uns „Denkarbeiter“ meinst, könnte ich mir vorstellen – und diese Vorstellung entspringt eher meinem ganz persönlichen Wunsch als fundierten wissenschaftlichen Erhebungen – dass wir unabhängiger in Bezug auf Zeit und Raum arbeiten werden. Ich denke beispielsweise, dass sich die neuen Medien und die damit verbundenen Möglichkeiten stärker etablieren werden. Wenn ich bei meinem letzten Arbeitgeber vorgeschlagen hätte, ein angesetztes Regelmeeting statt beim Kunden vor Ort über Google Hangout oder Skype stattfinden zu lassen, wäre die Reaktion irgendwo zwischen Unverständnis und blankem Entsetzen zu erwarten gewesen. Das soll nicht heißen, dass persönlicher Austausch durch neue Tools komplett zu ersetzen wäre, aber doch zumindest sinnvoll so zu ergänzen, dass man weder zu jedem Arbeitstreffen alle zum selben Zeitpunkt zum selben Ort karren, noch bei jedem virtuellen Teilnehmer für viel Geld horrend teure Hard- und/oder Software installieren müsste. Tja, und dann ist da ja auch noch die Sinnfrage. Ich mach'' mir ja mittlerweile einen Spaß daraus, zu passenden und unpassenden Gelegenheiten Mitarbeiter jeder Ebene immer wieder mal nach der Vision ihres Unternehmens zu fragen. Die wenigsten haben darauf eine echte Antwort. Meistens kommt gestottert der ungefähre Anfang dessen, was irgendwo auf der Unternehmens-Homepage als „Vision“ von irgendeinem Werbetexter im Auftrag der Geschäftsführung formuliert wurde, aber nichts, was den Eindruck vermittelt „JA! Und genau dafür stehe ich jeden Morgen voll motiviert auf, um meinen Beitrag zu leisten!“ Vielleicht habe ich bisher aber auch nur die falschen Leute gefragt. Falls nicht, wünsche ich mir, dass sich das dahingehend ändert, dass Menschen den Raum und die Gelegenheit dafür haben und nutzen, herauszufinden, was sie wirklich bewegt und antreibt, um dann Unternehmen, Teams, Projekte zu finden, in denen sie genau das einbringen können. In jedem Fall glaube ich, dass die Sinnfrage an Bedeutung gewinnt. In dem Moment, wo Menschen im Job nicht mehr nur Geld gegen Zeit tauschen wollen, ist es nicht mehr weit zu der Warum-Frage. Für mich ganz persönlich auf die Frage geantwortet: Ich möchte arbeiten wie (im Austausch mit anderen, gleichgesinnten Menschen, die eine gemeinsame Vision treibt und verbindet), wo (einen Teil zu Hause, einen Teil mit Partnern – Kunden, Lieferanten und Kollegen auf Augenhöhe – an einem festen Ort, gerne in irgendeinem Coworking Space und einen Teil unterwegs) und mit wem (Brüdern und Schwestern im Geiste sowohl auf Kollegen- als auch auf Kundenseite, wenn es diese Seiten dann überhaupt noch gibt) es mir gefällt. Und immer öfter gelingt mir das heute bereits.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?
Was sich radikal verändert hat, ist, wie wir heute miteinander kommunizieren. Durch unsere Omnipräsenz in sozialen Netzwerken sind wir mittlerweile nicht mehr nur im beruflichen Kontext permanent erreichbar (was vor 10 Jahren häufig noch der Preis für ein Firmenhandy war), sondern ganz besonders auch im privaten bzw. persönlichen. Und auch dadurch wachsen Job und Privatleben stärker zusammen, oder bist Du auf Facebook oder Twitter nur mit „echten“ Freunden verbunden und auf Xing ausschließlich mit Kollegen? Allein die Tatsache, dass wir dieses Interview führen, wäre zumindest für mich vor 10 Jahren kaum vorstellbar gewesen. Damals waren für mich beispielsweise Arbeit und Freizeit zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe, die schön voneinander zu trennen waren. Da habe ich auch nicht groß über Arbeit an sich nachgedacht. Das war halt so: 8h am Tag hast Du gemacht, was jemand Dir gesagt hat, was Du machen sollst und hast dafür am Ende des Monats Deine Kohle gekriegt. Wenn''s auch noch Spaß gemacht hat, Glück gehabt. Und ich habe selten bis nie in Frage gestellt, dass Chefs immer Recht haben und mir auch sagen dürfen, was ich wie bis wann und mit wem zu tun habe. Beides hat sich mindestens mal für mich bis heute so ziemlich ins Gegenteil verkehrt. Chefs, die diese Bezeichnung verdienen, sind für mich Möglichmacher, Unterstützer, mit Zugang zu besonderen Ressourcen und verantwortlich dafür, die besten Rahmenbedingungen für das Erreichen eines gemeinsamen Ziels zu schaffen, zu erhalten und im Bedarfsfall anzupassen. Und bei der Dynamik der heutigen Märkte ist Mitarbeiterzufriedenheit heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Zufriedene Mitarbeiter arbeiten einfach effektiver und effizienter. Und dafür braucht es Identifikation und die Rahmenbedingungen dafür, dass sich möglichst jeder mit all seinen Fähigkeiten ganz einbringen kann.

Warum ist das so?
Ein Hauptgrund ist aus meiner Sicht der Fortschritt der technischen Möglichkeiten und der damit verbundenen Entwicklung sozialer Interaktion. Wir können immer und überall jeden erreichen, mit ihm sprechen, chatten, schreiben, Dokumente, Ideen und Gedanken austauschen und brauchen dafür in den seltensten Fällen viel Geld auszugeben. Und weil wir das können, machen wir das auch. Daraus wiederum ergaben und ergeben sich ganz automatisch Gelegenheiten, in denen wir die alten Gewohnheiten, Glaubenssätze oder Paradigmen in Frage stellen können, wie z.B. „Muss Arbeit tatsächlich immer im Büro stattfinden?“ oder „Ist Kontrolle wirklich eine Motivationshilfe?“. Und wenn solche grundlegenden Dinge einmal in Frage gestellt sind und die ersten „Andersmacher“ die Erfahrung machen „Hey, das funktioniert und macht auch noch deutlich mehr Spaß!“ und diese Erfahrungen über die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sich dann auch noch rasend schnell verbreiten, wird es zunehmend schwerer, an den alten Überzeugungen festzuhalten. Ich denke, dass wir gerade jetzt und hier dabei sind, uns im Thema Arbeit ganz massiv weiterzuentwickeln. Technischer Fortschritt schafft Möglichkeiten, Arbeit anders zu denken, zu organisieren und zu leben. Möglichkeiten wecken Begehrlichkeiten, aber auch Kreativität und Innovation. Raum für Andersmachen und Ausprobieren entsteht. Neue Erfahrungen werden gemacht, die Ansprüche und Erwartungen von Menschen an ihre Arbeit und damit wiederum die Anforderungen an Unternehmen verändern sich usw. usw. Kaum ein Medium, dass nicht fast täglich über Unternehmen und Unternehmer berichtet, die Dinge anders machen und das dann immer auch gleich an die große „Siehste-Die-Arbeits-Welt-Verändert-Sich-Dramatisch“-Glocke hängt.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?
Dass ich mich lange vorher eine Zeit lang gefragt habe „Ist das jetzt Arbeit oder Vergnügen?“ und die Frage dann irgendwann einfach verschwunden ist. Das wäre für mich der Beleg dafür, dass sich die Trennung von beidem komplett aufgelöst hätte und beides – so wie es sein soll und bitte nicht erst 2025 – eins ist.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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