Jörg Buckmann – Personalleiter bei den Züricher Verkehrsbetrieben und Blogger der Extraklasse

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Jörg buckmannJörg Buckmann

ist Leiter des Personalmanagements der Züricher Verkehrbetriebe in der schönen Schweiz und gleichzeitig one-man-parttime-blogger der Extraklasse - zumindest ist das meine Meinung 😉


Lieber Herr Buckmann, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Technologie
  • Kommunikation
  • Gegenbewegung?

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Die Technologie wird noch mehr Einzug in den Alltag aller Berufe halten – von A wie Automechaniker/-in bis Z wie… naja, Zimmermann (und –frau!) – vielleicht werden die Dächer ja in Zukunft ganz einfach geklebt oder mit Hammerautomaten befestigt. Oder gelasert. Oder werden sie das eventuell heute schon?
Die digitale Kommunikation ist völlig normal. Ich denke, dass künftig praktisch ausschliesslich digital gelesen wird. Über ultraflache, leichte Smartphones, die man auseinanderziehen und so die Lesefläche vergrössern kann. Man ist noch viel mehr als heute schon überall vernetzt und ultraschnelles Internet, das Seiten schneller lädt, als die Augen mitsehen können, ist Standard. Lückenlose Verfügbarkeit, IT-Helferlein und Technologie bringen Informationen praktisch in Echtzeit in unsere Hosentaschen, die Vernetzung ist lückenlos und 24 Stunden eingeschaltet. Theoretisch gehen an vielen Arbeitsplätzen elektronische Helfer dem Menschen zur Hand oder übernehmen seinen Job. Auch in der Gastronomie und bei den persönlichen Dienstleistungen wie Massagen und beim Hundefrisör könnten teilautomatisierte Roboter die Aufgaben der Menschen teilweise übernehmen. Sie sind billiger und präziser. Technologisch kein Problem, aber wollen die Menschen das auch? Wollen wir ohne Pilot in den Flieger steigen, auch wenn es technologisch problemlos möglich wäre.
Die ganze Entwicklung löst vielleicht eine starke Gegenbewegung aus: Menschen mit Sehnsüchten nach echten Produkten, echten Brötchen vom richtigen Bäcker und dem Wunsch nach echtem sozialen Austausch werden zu einer immer grösseren Bewegung. Verweigerer der digitalen Welt rücken möglicherweise weg vom belächelten Körnlipicker-Image hin zum echten Hipster. Ich selber schreibe bereits heute immer mehr mit meinem Füllfederhalter. Selbstverständlich mit Tinte aus dem Tintenfass (Edeltinte aus Japan, ökologisch abbaubar), nicht aus der Patrone. Vielleicht sind das schon erste Anzeichen.

Was denken Sie, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Ich glaube nicht, dass sich insgesamt so unglaublich viel verändern wird. Auf jeden Fall nicht so viel, wie heute immer wieder prognostiziert wird. Nehmen wir doch die ganz grossen Branchen und Berufsgruppen und schauen wir mal über den Tellerrand unserer Tastaturen auf dem Bürotisch hinaus: Gastronomie? Pflege und Gesundheitswesen? Bau? Transport und Logistik? Frisöre und Verkauf? Vieles bleibt, da könnte ich fast schon darauf wetten. Mein Paket wird mit Drohnen gebracht? Das ist doch Quatsch. Der Luftraum wird so etwas von überfüllt sein und die Menschen so genervt von diesen komischen Dingern und ihrem Surren in der Luft – nein, ich glaube nicht daran. Mag sein, dass in der Bürowelt noch ein bisschen was geschieht. Aber auch da – ich bin skeptisch, ach was, nein, optimistisch! Nicht alles wird anders. Nehmen wir doch Home Office: Der Heilsbringer für überfüllte Züge und verstopfte Strassen hat sich bis heute nicht wirklich auf breiter Front durchgesetzt. Auch hier – Stichwort Yahoo – kommt es vielleicht zu einer Gegenbewegung.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Da ist schon unglaublich viel passiert. Wenn ich zum Beispiel mein Auto in die Garage bringe, bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich noch nach Öl riecht, oder ob uns das die Raumduftindustrie vorgaukelt. Alles so clean. Alles voll mit IT. In den Schweizer Grossverteiler Migros und Coop werde ich mit sanftem Druck darauf gedrillt, meine Einkäufe selber zu scannen. Die Arbeit im Büro - viel mehr Software, alles ist abhängig vom PC. Unglaublich, wer telefoniert eigentlich noch? Alles ist einen Zacken hektischer geworden, die Zyklen der Veränderungen werden immer kürzer.

Warum ist das so? 
Sind wir ehrlich: War doch schon immer so. Vielleicht nicht in dieser kurzen Taktung, aber Veränderung gab es immer schon.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Für mich persönlich wünsche ich mir, dass der IT-gestützte Kontrollwahn abnimmt. Denn mit all diesen verführerischen Prozess- und Ablagesystemen nimmt die „Beschäftigung mit sich selbst“ im Moment dramatisch zu. Ich wünsche mir, dass „Maschinen“ nützliche Helferlein sind bzw. bleiben und uns nicht das Leben erschweren statt es zu erleichtern. Kurzum: Ich wünsche mir, dass der gesunde Menschenverstand wieder mehr Überhand nimmt.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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