Wolfgang Schmid, Organisationsberater und Geschäftsführer

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


wolfgang schmidWolfgang Schmid

treibt das „Management des TUNs“. Conkret! Wie kommen wir dahin, dass wir mobile, agile und digitale sowie collaborative arbeiten – und zwar so, dass es um die Sache geht, dass wir klar Aufgaben und gemeinsame Ziele vor Augen haben. Wie kommen wir dahin, dass das TUN menschenwürdig und das Individuum beachtend funktioniert. Und erfolgreich ist! Erfolgreich im Sinne von „Werte schaffen, die die Menschen die Maslowsche Bedürfnispyramide nach oben begleiten und führen“. Wie müssen sich Führungskräfte wandeln, um das zu gestalten? Wie muss sich die Arbeitsorganisation wandeln, um das zu gestalten? Wie gehen wir mit den „atomic units of work“ (W. Roush) gemeinsam! im täglichen TUN um?


Lieber Herr Schmid, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  1. Agrikulturelle Selbstversorgung in Zeiten der Urbanisierung
  2. Cloud-Working versus Co-Working
  3. Veränderungen fördern

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Die Entwicklungen werden diametraler! Reich – arm, Stadt – Land, Individualismus – Collektivismus, die Reihe lässt sich endlos fortsetzen. Und es läßt sich nichts vorhersagen (s. Prof. Kruse).
Zu 1.: Die Urbanisierung findet statt. Sie geht einher mit ubiquitärer Intelligenz, demographischem Wandel, steigendem Gesundheitsbewusstsein, neuer Mobilität, aber auch mit der Frage wie physiologische Grundbedürfnisse gesund und logistisch sinnvoll bewerkstelligt werden. Zusammen mit dem Trend zur Individualisierung werden Menschen sich in den Städten einerseits mit innovativen agrikulturelle Methoden selbstversorgen, andererseits hochvernetzt Wissen gestalten. Das bedeutet Arbeit für die Grund- und sozialen Bedürfnisse der Menschen in Millionen-Städten. Wie müssen wir die agrikulturellen Methoden erarbeiten und zur Verfügung stellen? Wir müssen geeignete Formen der Wissensnutzung erarbeiten.
Zu 2.: Das „Netz“ fördert nicht nur Freiheit und Wissen. Es fördert und fordert neue Formen der Zusammenarbeit. Diametrale Formen! Einerseits einen Taylorismus 3.0 á la oDesk und Co., wo Leistungen funktionsorientiert nur nach Preis eingekauft werden (man hat von der Verlagerung der Produktionsstätten nach China wiedermal nichts gelernt) und die Arbeit des Menschen auf die Funktion und den Preis reduziert wird. Andererseits ein Management 3.0 á la Appelo und Stoos, das fordert, Menschen und Teams die Aufmerksamkeit und Verantwortung für Selbstentwicklung zu geben und zusammenzuarbeiten. Das bedeutet Arbeit für die Sicherheits-, sozialen- und Individualbedürfnisse der Menschen weltweit! Wir müssen Bewusstsein für wertorientiertes Arbeiten einerseits schaffen, andererseits die Möglichkeiten vernetzt besser miteinander arbeiten zu können.
Zu 3.: Die Veränderungen in der Arbeitswelt finden immer schneller statt. Wie gelingt es uns die Menschen mitzunehmen, für die Veränderungen, die uns menschenwürdiges Arbeiten erlauben? Wie gelingt es uns, die äußeren Veränderungen zu verarbeiten und individuell zu nutzen? Wie gelingt es uns, Veränderungen nachhaltiger und schneller umzusetzen? Ohne Berater mit einem antiquitierten Arbeitsverständnis bemühen zu müssen. Wie gelingt es uns zu verhindern, dass weiterhin viele Millionen EURO in den Sand gesetzt werden, weil man nicht auf das Begleiten des Changes geachtet hat? Das bedeutet Arbeit für Führungskräfte für alle Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide.

Was denken Sie, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Eigentlich kann ich diese Frage nicht werthaltig beantworten ohne in Plattitüden zu verfallen: ich weiss es nicht!

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Ich kann da nur die bekannten Entwicklung nennen vom Taylorismus (Funktionsorientierung, Management 1.0) zu Prozessmanagement (Management 2.0, Methodenlastigkeit) zu Management 3.0 (Arbeiten in Netzwerken). Parallel dazu haben sich die Werte verändert. Eine Diskussion Generation X, Y, Z halte ich hier für zu kurzsichtig, weil es immer antinome – oder besser á la Steven Reiss individuelle - Haltungen gibt. Auch hier würde ich gerne auf die Ergebnisse von Prof. Kruse verweisen, der z.B. zum Thema Führung folgende Erwartungen formuliert: dynamische Vernetzung (social media, virale task management), solidarische Integration (Stakeholder-Ansatz versus Shareholder-Ansatz), kooperative Teamarbeit (Arbeiten in selbstverantwortlichen Gruppen), iterative testende Agilität (ergebnisoffene Prozesse, Design Thinking), effiziente Zielerreichung und starke Persönlichkeit. Die letzten 2 Begrifflichkeiten sind nach Kruse schon recht negativ besetzt.

Warum ist das so? 
Die Quellen der Veränderungen sind wohl bekannt: technologischer Fortschritt, mehr verfügbares Wissen und Bewusstseinswandel. Wir Menschen mit unseren Lebensmotiven und Bedürfnissen treiben als Individuum und als Kollektiv den Wandel. Im systemischen „Spinnennetz“ wird an einer Stelle gezupft und es passiert nichts oder viel! Technologien einerseits aber auch Bedürfnisse verbreiten sich durch dieses systemische Spinnennetz und ergeben das, was wir – individuell – wahrnehmen. Ich versuche zwar das Ganze wahrzunehmen und zu verstehen, aber ich bleibe am besten bei mir und den Menschen, die mir nahestehen. Versuche mich und diese Menschen zu verstehen und „was Gutes zu tun“!

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Ich möchte 2025 schreinern, was TUN! Und: etwas von meiner bis dahin gewonnenen Weisheit so weitergeben können, dass sich der / die eine oder andere darüber echt freut!

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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