Dr. Thorsten Hübschen – Direktor der Microsoft Office Division der Microsoft Deutschland GmbH

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Dr. Thorsten Hübschen, Business Group Lead der Microsoft Office Division , bei der re.publica.
Dr. Thorsten Hübschen, Business Group Lead der Microsoft Office Division , bei der re.publica.

Dr. Thorsten Hübschen

ist verantwortlich für das Office-Geschäft bei der Microsoft Deutschland GmbH. Damit sitzt er an einem der Hebel, die die Digitale Transformation in Unternehmen ermöglichen sollen, und möchte damit auch seine Vision der Zukunft der Arbeit umsetzen. Dazu gehören das Unternehmensnetzwerk Yammer, die Kommunikation via Lync oder Office Graph. Im Mai 2014 veröffentlichte er gemeinsam mit Markus Albers das - in Kreisen des „ New Work“ sehr intensiv diskutierte - „Manifest für ein neues Arbeiten“.


Lieber Herr Hübschen, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Mobil,
  • produktiver,
  • eigenverantwortlich –
  • und vor allem menschlicher.

Der vierte Begriff ist die Summe der ersten drei.

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Eine Revolution des Verständnisses von Büroarbeit, wie wir sie heute kennen. Heute findet Büroarbeit noch viel zu oft in geschlossenen Räumen statt – mit unflexibler Technik und in starren Hierarchien. Wie oft fühlen sich Mitarbeiter heute wie das kleine Rädchen in einem Getriebe, in dem sie für sich kaum erfahren, was sie mit ihrer Arbeit anrichten oder bewegen? Das wird sich auflösen, weil es nicht mehr zeitgemäß ist: Die Wissensarbeiter von heute wollen flexibel und verantwortlich arbeiten, weil sie ihr knappstes Gut, ihre Zeit, für Arbeit und Freizeit, für Business und Familie so einsetzen möchten, wie sie es brauchen und wertschätzen. Moderne Wissensarbeiter möchten in Projektteams arbeiten, in denen sich Hierarchien aus Verantwortlichkeiten ergeben und mit den Geräten, die sie auch in ihrer Freizeit einsetzen. Auch für die Unternehmen sind traditionelle Formen von Büroarbeit nicht mehr sinnvoll. Sind es nicht Stempeluhr und aufgeblähte Postfächer, die Produktivität eher behindern als fördern? So spüren Unternehmen zunehmend, dass starre Strukturen nicht länger genügen, um sich im internationalen Wettbewerb und angesichts des Fachkräftemangels zu behaupten. Das werden sie nur schaffen, wenn sie ihre Arbeitsorganisation grundlegend überdenken.

Was denken Sie, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Was mich betrifft: Ich werde, wie heute auch schon, nicht mehr in einem festen Büro, sondern dort arbeiten, wo ich gerade bin: auf Reisen, zuhause oder im Büro. Microsoft baut gerade in München seine neue Firmenzentrale als einen zentralen Bestandteil auf dem Weg zum flexiblen und vernetzten Arbeiten. In Schwabing entsteht ein Bau mit offenen Bürowelten, Rückzugsarealen und großzügigen Meeting-Räumen. Diese flexiblen Strukturen fördern den Austausch zwischen einzelnen Mitarbeitern und ganzen Teams und sind eine wichtige Grundlage für mehr Produktivität, Kreativität und Innovationskraft. Ich bin überzeugt davon, dass wir bei Microsoft mit diesem Konzept sowie mit unseren Vereinbarungen über Vertrauensarbeitszeit und -ort auf genau dem richtigen Weg sind. Wir werden arbeiten, unsere Kinder betreuen, Freizeit haben und wieder arbeiten – in einem Tagesrhythmus, den die Mitarbeiter weitgehend selbst bestimmen. Und obwohl sie so verteilt arbeiten, werden sie sich viel mehr mit ihren Kollegen vernetzen als bisher. Menschen brauchen die Nähe zu anderen Menschen, besonders, wenn sie nicht mit ihnen in einem Büro sitzen. Und Unternehmen brauchen den offenen Austausch ihrer Mitarbeiter, damit sie ihre Projekte enthusiastisch und erfolgreich im Team auf die Beine bekommen.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Die zunehmende Digitalisierung von Prozessen sowie die Möglichkeiten für mobiles, zeitversetztes und vernetztes Arbeiten haben Unternehmen einen qualitativen Produktivitätsschub gebracht: Die Revolution im Büro sorgt dafür, dass der Anteil reiner Verwaltungstätigkeiten zugunsten einer kundenorientierten Arbeit zurückgedrängt wird. Wir können heute mit Office Big Data-Analysen auf der Basis von Live-Daten aus den Produktions- und Vertriebsprozessen sowie den sozialen Netzwerken machen, um Kundenwünsche noch schneller und direkter zu befriedigen. Unsere Teams sind durch die Vernetzung agiler und reaktionsschneller geworden. Damit können Unternehmen heute wieder so nah an ihren Kunden sein, wie früher der Tante-Emma-Laden nebenan. Und kleine Unternehmen sind mit modernen Technologien so produktiv und international tätig wie große. Wir haben mit Office 365 Industrien demokratisiert, weil Produktivität und Innovationskraft nicht mehr allein nur von Größe abhängt, sondern von Agilität. Die kann heute jedes Unternehmen haben – unabhängig von Umsatz und Zahl der Mitarbeiter. Mitarbeit haben die IT in ihren Unternehmen ebenfalls verändert. Sie kommen  mit ihren Smartphones und Tablets ins Büro und fordern von der IT, diese Geräte auch produktiv einsetzen zu  können. Das hat mobiles Arbeiten unabhängig von Zeit und Ort überhaupt erst möglich gemacht, stellt die IT-Administration aber auch vor die Herausforderung, die Business-Anwendungen und -Daten für das mobile und vor allem sichere Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Die Sozialen Netzwerke haben die vergangenen zehn Jahre ebenfalls entscheidend geprägt: Für uns gehört es mittlerweile zum Alltag, überall und jederzeit mit unseren Familien und Freunden zu chatten, zu skypen oder sie mit Ereignissen aus unserem Leben zu versorgen. Auch dieses Prinzip der sozialen Kommunikation hat die Unternehmens-IT entscheidend verändert: Unternehmen funktionieren nur noch dann, wenn sie ihre Mitarbeiter und Teams vernetzen, wenn sie die sozialen Netzwerke ins Unternehmen integrieren. Wir befinden uns mit dem Internet der Dinge und Big Data mitten in einer weiteren, sehr spannenden Zeit von Veränderung: In ein paar Jahren wird es zwischen Milliarden und Billionen von Geräten geben, die über das Internet miteinander vernetzt sein werden. Diese Geräte werden Unmengen von Daten erzeugen, die es zu erfassen und so auszuwerten gilt, dass sich daraus neue Geschäftschancen ergeben. Ich bin schon seit vielen Jahren in der IT unterwegs, aber ich finde, dass die nächsten Jahre extrem spannend werden, weil die Gegenwart es jetzt schon ist.

Warum ist das so? 
Die Trends der Gegenwart und Zukunft sind das Ergebnis einer langen Entwicklung, bei der Technik eine entscheidende Rolle gespielt hat. Wenn wir vor beinahe 30 Jahren nicht mit Windows eine dieser bahnbrechenden Technologien auf den Markt gebracht hätten, gäbe es „a computer on every desk and in every home“ nicht, und die Vorhersage von Bill Gates von 1978 wäre falsch gewesen. Wir sind vor 25 Jahren mit dem ersten Office angetreten, die Büroarbeit zu revolutionieren. Wir haben das Papier und die Akte als Trägermedium von Informationen abgelöst und den Computer in das Zentrum der Informationsverarbeitung gestellt. Ohne die technischen Entwicklungen der jeweiligen Zeit wäre das alles nicht möglich gewesen. Heute gehören das Internet und die sozialen Netzwerke zu den stärksten Treibern des Fortschritts, so, wie ich es oben skizziert habe. Technik ist also nicht etwas abstraktes, sondern beeinflusst sehr direkt unseren Alltag und unsere Zukunft.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Von den Klassikern wie „Gesundheit“, „nette Kollegen“ oder „sicheres Einkommen“ mal abgesehen: So wie heute auch 2025 tätig zu sein wäre schon toll. Ich arbeite absolut eigenverantwortlich mit einem tollen Team zusammen, kann weitgehend selbst entscheiden, wann und von wo ich arbeite, treffe ständig interessante Menschen und lerne täglich dazu. Meine Familie und Freizeit kommen dabei auch nicht zu kurz. Was soll ich mir da noch wünschen? Diese Qualität soll erhalten bleiben, dann ist es mir ziemlich egal, ob ich in der Zukunft meinem Armband meine Präsentationen diktiere oder per Projektion im virtuellen Raum mit meinen Kollegen kommuniziere. Ich selbst werde in zehn Jahren zu der Generation gehören, von denen man heute glaubt, dass ihre Leistungskurve allein schon aus Altersgründen nach unten abfällt. Ich bin sehr dafür, dass Technologie auch älteren Mitarbeitern die aktive Teilhabe an produktiven Prozessen ermöglicht – nicht nur aus persönlichen Motiven, sondern auch, um den Standort Deutschland als Land der Ideen angesichts des demografischen Wandels zu stützen. Wir müssen kulturell wie technisch dazu in der Lage sein, die Teilhabe aller Menschen möglich zu machen.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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