Sophia von Rundstedt – Geschäftsführerin der Talent- und Karriereberatung „v. Rundstedt & Partner“

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Sophia_von_Rundstedt_Porträt_WebversionSophia von Rundstedt

s Arbeit ist, neue Arbeit zu finden. Sie ist Geschäftsführerin der „v. Rundstedt & Partner GmbH“ und leitet damit einen der führenden Anbieter für Talent- und Karriereberatung. Bevor sie 2011 diese Rolle übernommen hat, war sie als Rechtsanwältin in einer internationalen Anwaltssozietät und als Unternehmensberaterin tätig. Im väterlichen Unternehmen hat sie sich anschließend von der Kundenbetreuerin bis zur alleinigen Geschäftsführerin hoch- und durchgearbeitet. 


Liebe Frau von Rundstedt, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Mosaikkarrieren,
  • Virtualität und
  • Vernetzung.

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Karrierewege werden in 10 Jahren einem Mosaik gleichen: Fach-, Führungs- und Projekteinsätze wechseln sich dabei ab. Im Gegensatz zur klassischen Kaminkarriere bieten Mosaikkarrieren Unternehmen und Mitarbeitern Flexibilität und Beweglichkeit – und passen auf diese Weise zu der Arbeitswelt von morgen. Es entstehen auch Brüche, die jedoch nichts Negatives sind. Im Gegenteil: Sie tragen zur Kompetenzentwicklung bei. Aus dem Mosaik ergibt sich eine Individualisierung von Karrierewegen und -modellen. Karriere ist dann die persönliche Entwicklung, für die jeder Einzelne selbst die Verantwortung übernimmt. Indem sich Unternehmen vernetzen, können sie Sichtweisen, Kompetenzen und Know-how bündeln (Stichwort Schwarmintelligenz). So sind sie innovativer, können schneller auf Marktbedingungen reagieren und Höchstleistungen erbringen. Vernetzung wird dabei in der Arbeitswelt von morgen noch stärker durch Virtualität geprägt sein, als es heute schon der Fall ist. Der Arbeitsort verliert an Bedeutung, da Experten für bestimmte Themen ihr Know-how und ihre Leistungen überall auf der Welt anbieten und in virtuellen Netzwerken, Kooperationen und Projektteams zusammenarbeiten. Weltumspannende Wissensnetzwerke, in denen der Einzelne seine Kenntnisse in wechselnden Konstellationen einbringt, treten dann an die Stelle von festen Arbeitsplätzen. Die Grenzen zwischen fester Anstellung und freier Tätigkeit werden in diesem Umfeld fließend verlaufen.

Was denken Sie, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
In 10 Jahren werden wir in offenen Büros arbeiten und es wird mehr Coworking Spaces für Startups, Freiberufler und digitale Nomaden geben, in denen Menschen zusammenkommen, die Themen und Projekte teilen und voneinander lernen können: Virtuelle Arbeitsräume und Netzwerke werden es uns ermöglichen, von unterwegs und überall auf der Welt zu arbeiten. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Wir werden vernetzter, projektbezogener, flexibler, globaler, schneller und nachhaltiger arbeiten. Die Frage nach dem „Warum“ und dem Sinn unserer Arbeit wird uns dabei noch stärker prägen als es heute bereits der Fall ist. Die Tatsache, dass Experten in virtuellen und zeitlich begrenzten Projekten arbeiten, wird es uns außerdem ermöglich, unsere Kollegen und Geschäftspartner in Netzwerken und Kooperationen selbst auszusuchen. Mit wem wir zusammenarbeiten, wird dabei maßgeblich von gemeinsamen Werten, Themen und Ideen abhängen.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Aus meiner Sicht haben sich insbesondere drei Dinge verändert:

  1. Die Rollen von Mann und Frau am Arbeitsmarkt haben sich gewandelt: Männer nehmen sich heute mehr Zeit für die Familie, während Frauen heute ganz selbstverständlich auch in Top-Positionen aufsteigen und in ihren Karriere gefördert werden. Mann und Frau arbeiten partnerschaftlich zusammen, sodass beide Karriere und Familie unter einen Hut bringen können.
  2. Arbeitskräfte stehen länger am Arbeitsmarkt zur Verfügung, insbesondere Hochqualifizierte können und wollen länger arbeiten. Der Wunsch nach einem flexiblen Eintritt in den Ruhestand geht damit einher. Bei unseren Klienten beobachten wir den Trend zu „Portfolio-Karrieren“, bei denen sie mehrere Projekttätigkeiten und beispielsweise Lehraufträge nebeneinander ausüben können – auch über das Renteneintrittsalter hinaus.
  3. Bewerber sind zu den Umworbenen geworden. Angebot und Nachfrage haben sich auf dem Arbeitsmarkt gedreht und viele Branchen sind von Fachkräftemangel betroffen. Auch wir stellen fest, dass wir bestimmte Experten-Positionen nur schwer besetzen können.

Warum ist das so? 
Hauptursachen für diese Veränderungen sind der demografische Wandel, die zunehmende Veränderungsgeschwindigkeit der Arbeitswelt durch Digitalisierung und Globalisierung sowie ein Werte- und Kulturwandel. Der demografische Wandel führt zu einem volkswirtschaftlichen Druck, der auch von der Politik aufgenommen wird. Zahlreiche Initiativen zur Förderung von Frauen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie wiederkehrende Debatten rund um den Renteneintritt sind Ausdruck dieses wirtschaftlichen und politischen Handlungsdrucks. Einen Werte- und Kulturwandel stelle ich fest in Bezug auf die Rolle und das Selbstverständnis der Frau im Unternehmen: Zahlreiche Frauennetzwerke und Mentoring-Programme wurden in den letzten Jahren ins Leben gerufen, Bücher wie „Lean in“ von Sheryl Sandberg haben das Verhältnis von Frau und Karriere und ein neues Verständnis von Partnerschaft bei vielen Frauen – auch mir – geprägt.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Ich wünsche mir zum einen eine bessere interne Vernetzung in meinem Beratungsunternehmen, sodass wir noch besser das gesammelte Wissen im Unternehmen nutzen können. Dazu gehört für mich auch, meine Mitarbeiter immer wieder neu zu begeistern für das, was wir tun, und wie wir in der vernetzen Organisation zusammenarbeiten. Zum anderen wünsche ich mir auch eine stärkere externe Vernetzung mit dem Ziel, in Wissensnetzwerken erfolgreich mit den richtigen Partnern zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass wir unsere Stärken als Menschen stärken. In einer Zeit, in der immer mehr Aufgaben von Maschinen übernommen werden und die Digitalisierung unser Arbeitsleben prägt, müssen wir das fördern, was uns als Menschen ausmacht und von den Maschinen unterscheidet: Kreativität, Flexibilität, Neugierde, Spontanität. Wir dürfen uns nicht den Computern unterordnen und uns damit selbst abschaffen, sondern müssen menschlich bleiben.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2024 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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