Barbara Simonsen – Führungscoach & Managementberaterin

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Barbara SimonsenBarbara Simonsen

(MBA), ist – wie sie selbst in ihrem Profil schreibt, „eine Schweizerin in Norddeutschland“. Was sie aber auszeichnet, ist ihre Kompetenz und Leidenschaft in Sachen Führung: Als Inhaberin von Simonsen Management (www.simonsen-management.de) wirkt sie als Führungscoach, Managementberaterin und Lehrbeauftragte nachdem sie viele Jahre als Führungskraft in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft tätig war. Als Autorin veröffentlichte sie das online-gestützte Trainingskonzept „Die ersten 100 Tage als Führungskraft“ im managerSeminare Verlag.


Liebe Frau Simonsen, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben, Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?
Aus der Sicht einer Führungskraft beziehungsweise der Unternehmensführung:

  1. Sinn erzeugen
  2. Komplexität handhaben
  3. Lernraum ermöglichen

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Sinn erzeugen: Damit Unternehmen der Zukunft erfolgreich sein können, müssen sie deutlich machen, für welche Werte und Normen sie stehen und für Identität sorgen – durch Kommunikation, Augenhöhe und Integrität. Das Entwickeln einer gemeinsamen Vision wird für eine langfristige Orientierung zentral sein – nebst dem Erreichen von kurzfristigen wirtschaftlichen Zielen. Nur dann entsteht auch auf der persönlichen Ebene der Mitarbeitenden ein Zugehörigkeitsgefühl zur Arbeitsstelle und zu den Tätigkeiten. Im Idealfall passen eigene Ziele mit den unternehmerischen Zielen überein. Engagierte Mitarbeitende wollen auch erfahren, dass ihre Tätigkeiten nicht nur für das Unternehmen bedeutsam sind, sondern dass diese auch positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Autonomie und Kompetenz, Wertschätzung und faire Führungskultur unterstützen die Selbstmotivation der Menschen und lassen sie nicht nur produktiver sondern auch zufriedener werden.
Komplexität meistern: Komplexität ist DIE große unternehmerische Herausforderung der Zeit. Meines Erachtens müssen viele Dimensionen gleichzeitig beachtet werden, damit Unternehmen zukunftsfähig werden oder bleiben. Sie müssen …

  • sich strategisch vernetzen.
  • verschiedene strategische Szenarien entwickeln, sowohl risiko- wie chancenbezogen.
  • sich verabschieden von einem „Entweder-Oder-Denken“ sondern sich auf „Sowohl-Als-Auch-Optionen“ einstellen.
  • die kollektive Intelligenz und Kreativität von Vielen nutzen: Beteiligungsformate zur Informationsgewinnung, zur Erkennung von Trends und Frühwarnsignalen und für Entscheidungsprozesse entwickeln.
  • Entscheidungen treffen, die durch Ratio UND Intuition zustandekommen.
  • Strukturen und Prozesse von und in überschaubaren, teilautonomen Einheiten aufbauen.
  • Ziele durch kleinschrittiges, iteratives Vorgehen umsetzen.
  • Diversity und transkulturelles Denken fördern.
  • eine Fehler- und Lernkultur ermöglichen sowie Feedbackschleifen pflegen.

Lernraum ermöglichen: Ich meine damit, dass Unternehmen selbst zum Lernraum werden und damit selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen am Arbeitsplatz ermöglichen. Denn Kompetenzen können nicht durch Wissen angeeignet werden, sondern müssen durch die Menschen selbst aufgebaut und im Arbeitsprozess erworben werden – also durch „learning on the job“. Dafür werden neue Lernszenarien benötigt: Zum Beispiel durch Blended-Learning-Konzepte, durch Mentoringprogramme, durch Austausch in Peer-Groups, durch Job-Rotationsmöglichkeiten. Auf diese Weise würden nachhaltige Kompetenzen – Führungs- oder Fachkompetenzen - entwickelt und der Transfer in die Praxis ist quasi inklusive. Damit bekäme Personalentwicklung einen neuen Sinn und eine neue Rolle: Während der Mitarbeitende zum aktiv Handelnden wird, wird die Personalabteilung, wird das gesamte Unternehmen durch die entsprechenden Rahmenbedingungen zum “Lernermöglicher”.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Die meisten Führungskräfte erfahren in den letzten Jahren eine starke Veränderung in der Unternehmensführung: Das Umfeld wird immer weniger vorhersehbar, die Informationsflüsse werden vielschichtiger, Entscheidungszyklen beschleunigen sich, klassische Unternehmenssteuerung greift nicht mehr, Mitarbeiter sind demotiviert. Viele Veränderungsprozesse vollziehen sich in großer Zahl fast gleichzeitig, und Führungskräfte geraten persönlich und beruflich zunehmend unter Druck, weil sie selbst nicht mehr folgen können. Ein paar Beispiele:

  • Klassische Fünfjahrespläne, die nur auf Fakten und Daten basieren, taugen nicht mehr zur Unternehmenssteuerung.
  • Fehler in der Umsetzung können kaum vermieden werden.
  • Die Ausrichtung rein nach dem Shareholdervalue bringt nicht mehr den nachhaltigen und glaubwürdigen Erfolg.
  • Das „Von-Oben-Nach-Unten-Durchregieren“ wird immer öfter von den Mitarbeitenden boykottiert.
  • Die traditionelle Personalentwicklung, die den Fokus auf das Ansammeln von Wissen richtet, ist obsolet, weil der Transfer in die Praxis kaum funktioniert.

Warum ist das so? 
Bisherige Managementmethoden und Führungsinstrumente wirken nicht mehr, denn diese Techniken stammen aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert. Auch kleinere methodische Anpassungen reichen für mehr Wirksamkeit nicht mehr aus. Wir benötigen neue Führungs- und Managementansätze, um die Herausforderungen der Megatrends zu bewältigen, die sich in zunehmender Individualisierung, demografischer Veränderung, Globalisierung, War for Talents und den Postulaten nach Female Shift und New Work bemerkbar machen.

Was denken Sie, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Mein Blick in die Glaskugel ist sehr beschränkt. 😉 Die Dynamik der Veränderungen der Gesellschaft so rasant, dass ich nur erahnen kann, wohin die Reise geht. Ich vermute, Arbeit und Leben werden wieder stärker zusammengeführt und nicht wie heutzutage als getrennte Sektoren betrachtet. Die Generation Y macht uns dies jetzt schon vor. Und: Die zukünftige Personalpolitik wird sich stärker an den Interessen der Mitarbeitenden orientieren und die individuellen Lebens- und Berufssituationen berücksichtigen. Personalführung wird – hoffentlich – weggekommen sein vom reinen Humankapitalansatz hin zu einer wertschätzenden Zusammenarbeit von Partnern auf Augenhöhe. Die Unternehmen, die in 10 Jahren erfolgreich sein werden, haben schon heute wichtige Fragen beantwortet und sind dabei, die Umsetzung zügig voranzutreiben:

  • Mit welcher Struktur bauen wir eine flexible Organisation auf, um den laufenden Veränderungen zu begegnen?
  • Woran richten wir unternehmerisches Handeln aus?
  • Wie führen wir das Unternehmen zu mehr Leistungsfähigkeit und Attraktivität?
  • Wie nutzen wir die unterschiedlichen Werte und Denkmuster der Generationen für die sinnvolle und produktive Tätigkeit?
  • Wie sichern wir die Beschäftigungsfähigkeit über die verlängerte Lebensarbeitszeit? Wie können Beruf und Familie bzw. Beruf und Pflege vereinbart werden?
  • Wie fördern wir die Kompetenzen der Mitarbeitenden in jeder Lebensphase?

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Lassen Sie mich mal rechnen... Die meisten meiner Gleichaltrigen sind dann – als Angestellte oder Beamte - schon einige Jahre in Rente. Wie es mir als Selbständige geht, hängt sehr von meiner Gesundheit ab. Ich hoffe, dass ich mit dieser Energie, die ich jetzt habe, mich auch 2025 noch für kompetente und faire Führung einsetzen kann! 🙂

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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