Uta Ramme – Unternehmensberater und FAIRWANDLERIN

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Allgemein

Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


uta_ramme_01Uta Ramme

ist eine FAIRWANDLERIN. Sie arbeitet mit ihrem Beraternetzwerk daran, Unternehmen durch eine Kultur der Potenzialentfaltung zukunftsfähiger zu gestalten und damit den wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig zu sichern.  


Liebe Uta, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Inspiration
  • Individualität
  • Machtverschiebung

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 
Letztens sagte ein Teilnehmer eines Workshops: „Wenn wir Spaß bei der Arbeit hätten, würde sich alles andere von alleine ergeben.“ Inspiration, also Begeisterung, geht darüber noch hinaus. Der Ursprung ist das lateinische Wort inspirare, was soviel heißt wie Atem/Leben einhauchen. Welche Realität hätten wir, wenn es die Aufgabe von Führungskräften wäre, sich selbst und ihre Mitarbeiter zu inspirieren? Es würde darum gehen, die Potenziale zu entfalten statt darum, den Mitarbeiter als Ressource maximal zu nutzen. Es wäre ein Perspektivwechsel: statt zu fragen, wie der Mitarbeiter dem Unternehmen dienen kann, wäre es die Aufgabe des Unternehmens, seine Vision und seine Werte als Rahmenbedingungen vorzugeben und dann den Mitarbeitern zu ‚dienen’, die sich von dieser Vision haben begeistern lassen. In einem solchen – ich nenne es inspirierten – Unternehmen, würden zwangsläufig die Strukturen und die Unternehmenskultur herrschen, die es in Zukunft brauchen wird: Individualität, also die Berücksichtigung des einzelnen Menschen, seiner Fähigkeiten und seiner Bedürfnisse, Demokratie im Sinne von Machtabbau zwischen den Hierarchien, Agilität, Menschlichkeit und Vertrauen oder anders ausgedrückt:
Inspiration statt Motivation, Vertrauen statt Kontrolle, Kreativität statt Routine, Innovationsfähigkeit statt Wissen, Mut statt Angst, Leidenschaft statt Pflichtgefühl, Offenheit statt Sicherheit, Leistung statt Fleiß

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Es wird Vertrauenszeit und –urlaub vorherrschen, d.h. dass die Arbeitnehmer selbst bestimmen, wann und wo sie arbeiten und wieviel Urlaub sie machen. Die üblichen Organigramme und Hierarchien werden wegfallen, Führungskräfte werden von Teams selbst gewählt, je nach Branche pro Projekt bzw. auf Zeit. Durch den Wegfall des üblichen hierarchischen Denkens und einer gelebten Vertrauenskultur herrscht bei den Arbeitnehmern eine stärkere Verantwortungsübernahme und Leistungsbereitschaft vor. Die größere Freiheit und die damit einhergehende stärkere persönliche Verantwortung des Einzelnen wird zwar zunächst für einige auch schwierig werden, aber durch das gleichzeitig stärkere Gemeinschaftsgefühl und Teamzugehörigkeit aufgefangen. Burn- und Bore-Outs erfordern noch stärker die Sinnfrage. Der Mensch will sich und seine Talente und Fähigkeiten für etwas Sinnvolles einsetzen und seinen Beitrag darin erkennen, selbst wirksam sein. Das Bewusstsein für das eigene Leben aber auch für die Welt wird in Deutschland deutlich steigen. Diesen Ansprüchen werden die Unternehmen gerecht werden müssen.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?
Das Leben vor 10 Jahren war langsamer, übersichtlicher und sicherer. Es war aber vor allem auch festgelegter und die Wahlmöglichkeiten viel geringer. Mit der zunehmenden Freiheit, der Angebotsvielfalt und der Unsicherheit umzugehen, ist für viele gar nicht so einfach. Der Zusammenbruch von Lehmann Brothers hat nicht nur für viele ein finanzielles Fiasko bedeutet. Der größte Schaden war meiner Meinung nach der Vertrauensverlust und die damit einhergehende Unsicherheit, dass die bis dahin unantastbare Trutzburg Bank nun auch noch zusammenbricht. Und die katholische Kirche als letzter Halt folgte mit seinen Skandalen. Worauf also sich noch verlassen können? Spannend ist, dass wir uns genau in der Zeit des Wandels befinden: Das Alte bricht zusammen, das Neue ist noch nicht klar definiert. Die jetzige Zeit bietet uns dadurch unendlich viele Möglichkeiten des Mitgestaltens, denn der Wandel betrifft alle gesellschaftlichen Systeme: die Arbeit, das Bildungs- und Gesundheitssystem, das soziale Miteinander u.v.m. Die größte Veränderung ist meiner Meinung der Wechsel von einem Leben, indem alles kontrollierbar und damit plan- und absehbar war, zu einem Leben, das Freiheit bietet, aber damit auch die Unsicherheit des permanenten Wandels. Früher gab es Change Prozesse, bei denen es darum ging von A nach B zu kommen. Heute ist B schon wieder überholt, während wir noch auf dem Weg dorthin sind. Es geht also darum, in einen Zustand der Wandlungsfähigkeit zu kommen. Agilität leben heißt aber nicht, ein Fähnchen im Wind zu sein, sondern trotzdem einen klaren Kurs zu behalten. Diesem Dilemma müssen die Unternehmen und dabei vor allem die Führungskräfte begegnen. Das braucht Vertrauen in sich selbst. Vertrauen gibt die notwendige Sicherheit, ohne die wir die extreme Unsicherheit und auch einen Veränderungsprozess nicht meistern können. Visionen und Werte können diese Sicherheit geben. Früher reichte es, Manager zu sein, heute und morgen braucht es Führende, die an etwas glauben und es wagen, voranzugehen.

Warum ist das so? 
s.o. (Globalisierung, Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel).

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?
Ich wünsche mir, dass immer mehr Unternehmen den Wandel mitgehen wollen und erkennen, dass sie ihn von innen nach außen vornehmen müssen. Ich möchte dazu weiter einen Beitrag leisten, indem ich Unternehmen auf ihrem Weg der Transformation begleite, die Führungskräfte berate und coache. Mein jetziges Arbeitsmodell des flexiblen und selbstbestimmten Arbeitens und Lebens, in dem ich all meinen Wünschen und Bedürfnissen gerecht werden kann, soll dann weiterhin bestehen und hoffentlich kein Einzelfall mehr sein, sondern Selbstverständlichkeit.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.