Armin Zisgen – ehem. Personalleiter und heutiger Blogger

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


armin zisgenArmin Zisgen

gehört zu den Menschen, die den weitaus größten Teil ihres Arbeitslebens bereits gemeistert haben. Er war bis 2012 Personalleiter in einem international tätigen Maschinenbauunternehmen und engagiert sich jetzt unter anderem in seinem „azmanagerblog“ zu Themen der Personalführung.


Lieber Herr Zisgen, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • komplex
  • diffus
  • differenziert

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 
Die Arbeitswelt von morgen lässt sich nicht in die Fortschreibung der Gegenwart pressen. Für vorschnelle rosarote Trends wie Enthierarchisierung sehe ich keine fundierten Anhaltspunkte. Die hohe Dynamik der technischen Entwicklung wird sehr unterschiedliche Arbeitsverhältnisse hervorbringen. Selbstbestimmung bedeutet Selbstverantwortung für das eigene Schicksal –und das in einer unübersichtlichen Welt. Das eröffnet Chancen, erhöht aber auch die Belastung bei zunehmenden Flexibilitätsanforderungen. Eine Veränderung in den unternehmerischen Machtverhältnissen sehe ich nicht.

Was denken Sie, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Zunehmend workflow- und kennziffergetrieben. Führung wird sich entpersonalisieren. Dadurch entsteht oberflächlich der Eindruck größerer Selbstbestimmung. Was als Selbstoptimierung „verkauft“ wird, ist in Wahrheit ein subtiler Druckerzeugungsmechanismus. (Aber ich wollte ja keine Trends ausrufen – hoffentlich wird das auch keiner.)

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Sehr wichtige Frage. Wir haben eine ungeheure Entwicklung in der Informationstechnologie erlebt. Die Abhängigkeitsverhältnisse in der Arbeitswelt haben sich jedoch nicht verändert. Wir brauchen einen Mindestlohn und haben immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Arbeit wird eher als belastender empfunden und wir führen Diskussionen über Work-Life-Balance. Eine „Emanzipation von Machtsystemen“ hat bisher nicht stattgefunden.

Warum ist das so? 
Weil es keinen sogenannten freien Markt mit gleichberechtigten Teilnehmern gibt. Gerade vor dem Hintergrund  der rasanten technologischen Entwicklung brauchen wir eine angemessene Regulierung.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?
Auch wenn selbst nicht mehr im Arbeitsleben aktiv, wünsche ich mir Möglichkeiten des Mit-Erlebens und Mit-Diskutierens.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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