Ole Wintermann – Blogger und Wegbereiter zwischen Gegenwart und Zukunft

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


ole wintermannOle Wintermann

steht schon mitten in der digitalen Zukunft. Er baute in den letzten Jahren die internationale Bloggerplattform www.futurechallenges.org auf, bloggt privat unter www.globaler-wandel.eu, ist Co-Founder der Menschenrechtsplattform Irrepressiblevoices.org und engagiert sich im virtuellen Think Tank Internet and Society Collaboratory und bloggt bei den Netzpiloten. Er arbeitet für die Bertelsmann Stiftung, bei der er federführend die Organisation der sehr erfolgreichen Blogs und „BarCampArbeiten4.0" übernommen hat. 


Lieber Ole, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Disruption
  • neue Horizonte
  • fallende Grenzen

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 
Disruption: Immer wieder wird von der disruptiven Dynamik des Digitalen gesprochen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass EntscheiderInnen, die sich nicht sehr stark im Digitalen engagieren, immer wieder meinen, sie könnten das Disruptive - und damit die Menschen dahinter - durch Hierarchien und Regulierung „domestizieren“. Nach wie vor und in Zeiten des Digitalen gilt aber die Maxime: Die Gedanken sind frei. Neue Horizonte: Durch die Anwendung immer neuer Tools, die alle Menschen miteinander verbinden, durch Algorithmen, die immer mehr menschliche Entscheidungen ersetzen und durch die Erosion von willkürlicher Macht durch Informationsvorsprünge dürfte uns in Zukunft eine Arbeitswelt erwarten, deren Horizonte wir derzeit nur erahnen können. Fallende Grenzen: Grenzen sind ein Konstrukt des Meatspace [Anm.: "Meatspace" meint die reale Welt, also die natürliche Realität zur Unterscheidung vom Cyberspace.] und in einer digitalen Welt anachronistisch. Derzeit beobachten wir, wie die Stakeholder des Meatspaces versuchen, ihr Konzept der Grenzen auch im Digitalen mehr und mehr durchzusetzen. Ich glaube aber, dass man den Menschen auf Dauer keine Grenzen setzen kann. Grenzen sind ein Herrschaftsinstrument und digital nicht kompatibel.

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 
Es ist immer schwer, darauf eine Antwort zu geben, wenn man bedenkt, wie unterschiedlich Tätigkeiten von Menschen ausgestaltet sind, so dass eine Antwort immer stark verallgemeinert. An der Spitze der Entwicklung hin zum digitalen Arbeiten stehen sicher die Wissensarbeiter (http://globaler-wandel.blogspot.de/2015/05/wissensarbeiter-in-unternehmen-eine.html). Unabhängigkeit von binnenpolitischen Zwängen, zeitliche und thematische Flexibilität, eine gegenüber Journalisten deutlich gestiegene Bedeutung bei der Interpretation von gesellschaftlichen Analysen und der ständige Kampf gegen Einschränkungen, die durch alte Stakeholder vorangebracht werden, sind sicher die Rahmenbedingungen des Wissensarbeiters in 10 Jahren.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?
Die Formalisierung von externer Kommunikation ist stark zurückgegangen. Formale Anreden in Mails, gestelzte Sprache, lange Fristen für Reaktionen auf Mails und Telefonate gehören im Digitalen der Vergangenheit an. Während vor 10 Jahren Telefonate Kern der Außenkommunikation waren, werden sie heute in vielen Bereichen als hinderlich, zeitaufwändig und ineffizient betrachtet. In der Folge haben sich Online- wie auch Offline-Biotope gebildet. Die Art der Kommunikation bestimmt die Zugehörigkeit zum Biotop. Das hat gerade im zivilgesellschaftlichen und politischen Themenfeld starke Auswirkungen auf das Outcome der Arbeit und sollte in Zukunft mal stärker untersucht werden.

Warum ist das so? 
Technik ist eben nicht nur eine technische Frage. Immer wieder wird die soziale Komponente der Technik übersehen und unterschätzt. Tools ändern aber auch Kommunikationsverhalten und damit auch Rollen und Selbstverständnisse. Menschen, die das Digitale für sich angenommen haben, kommen mit dem digitalen Wandel dieser Rollen sehr viel besser zurecht.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?
… dass ich die Gelegenheit haben werde, diesen erwarteten Wandel der Arbeitswelt entsprechend begleiten zu können. Spannende Zeiten warten auf uns.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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