ifaz – Institut für Arbeitsdesign und Zukunftstechnologien e.V.

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.

 

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Im Institut für Arbeitsdesign und Zukunftstechnologien e.V. haben sich Führungskräfte, Berater und Wissenschaftler zusammen gefunden, um die Arbeit der Zukunft zu erforschen und in die Praxis umzusetzen. Wir glauben, dass sich die Welt der Arbeit heute grundlegend verändert;  mit dem Einsatz moderner Technologien ist es möglich, unsere Arbeit frei zu gestalten. Daher fokussieren wir uns auf eine der aktuell relevantesten strategischen Fragen: Welche Bedingungen müssen Unternehmen für kreative Wissensarbeiter schaffen, um nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu erreichen?

 

Die Ziele des Instituts für Arbeitsdesign und Zukunftstechnologien e.V. sind:

  • Praxiswissen über neue Arbeitsmodelle zu generieren,
  • strategische und operative Chancen neuer Arbeitsmodelle zu definieren,
  • konkrete "Business Cases" zu erarbeiten,
  • Konzepte zur Anpassung von Strategie und Kultur in einer neuen Arbeitswelt zu entwerfen,
  • konkrete Beispiele für innovative Kernprozesse aus erfolgreichen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.pinterest-logo-2 xing-button facebook-logo 2000px-Twitter_Logo_Mini.svg

Sehr geehrter Herr Dr. Birk, sehr geehrte Frau Lackerbauer, ich freue mich sehr, dass Sie sich als Ansprechpartner des ifaz bereit erklärt haben, hier die ArbeitsVisionen2025 Ihres Instituts für die Arbeit der Zukunft uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe verbinden Sie mit dem Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Umsetzungsstau
  • Workdesign
  • Fähigkeiten

Was bedeuten diese 3 Begriffe in Hinsicht auf die Arbeit in Ihrem Unternehmen in 10 Jahren?
Umsetzungsstau: Eine zentrale Erkenntnis aus unserer Studie ist: Viel wird diskutiert über die Thema Arbeit der Zukunft, aber wenig praxisnah umgesetzt, vor allem nicht in den großen Unternehmen. Wir verharren aktuell in einer Debatte, die um einige weithin akzeptierte Kernthesen, Megatrends und Trends kreist. Vielleicht wird an einigen Stellen ein neues, modernes Bürogebäude bezogen oder auch mal die „Vertrauensarbeitszeit“ eingeführt. Aber mehr passiert auf breiter Front eigentlich nicht. Dabei sollte man lieber darüber nachdenken, welche Sichtweise man auf Unternehmen und die Arbeit denn grundsätzlich einnehmen muss unter den heutigen digitalen Bedingungen. Nur das führt zu neuen systematischen und integrierten Konzepten, die in realen, konkreten Projekten umgesetzt werden können.

Workdesign: Die schöne neue Arbeitswelt braucht für ihre Verwirklichung nicht nur einzelne, eher zufällige Ansätze, die einfach so geschehen, sondern die Arbeit der Zukunft muss auf Basis neuer Arbeitsmodelle bewusst und evolutionär gestaltet werden. Dafür steht in unseren Augen der Begriff „Workdesign“. Unser Beitrag dazu ist ein Workdesign-Modell, das sämtliche Bereiche des Arbeitslebens erfasst und in Zusammenhang setzt: die physische Arbeitswelt, Arbeitsprozesse und –technologien, Arbeitsinhalte, Arbeitsorganisation und Arbeitskultur. Hinsichtlich der Arbeit in 10 Jahren heißt das: Damit all die guten Ideen und neuen Impulse auch umgesetzt werden können, ist die bewusste, systematische Gestaltung der Arbeit in Organisationen notwendig.

Fähigkeiten der Zukunft: Was muss der kreative Wissensarbeiter von morgen können, um in der sich wandelnden Arbeitswelt zu bestehen und nicht – im schlimmsten Fall – durch eine Maschine ersetzt zu werden? In unserer Studie zeichneten sich verschiedene Fähigkeiten ab, die im Gegensatz zu heute stärker entwickelt werden müssen. Interessant ist zum Beispiel die Häufigkeit der Nennung nicht direkt „messbarer“ sozialer Fähigkeiten – ein Thema, mit dem sich Organisationen definitiv auseinandersetzen sollten.

Wie wird im 10 Jahren bei Ihnen gearbeitet werden?
Wenn Prognosen gefragt sind, werden die Jahreszahlen 2020, 2025, 2030 und 2050 in unserer Studie „Wie wir morgen arbeiten“, besonders häufig genannt. Wir würden also gerne über den 10-Jahreszeitraum hinausgehen und unsere Antwort nach diesen Zeitpunkten sortieren.

Bis 2020 werden auch in der Unternehmenspraxis die Diskussionen um „New Work“ und Stichworte wie „Digitaler Nomadismus“, „Demokratisierung der Unternehmen“, „Neue Bürolandschaften“ usw. immer mehr an Fahrt aufgenommen haben. Es werden bis dahin für die breite Masse an Unternehmen auch eine ganze Reihe sehr interessanter Erfahrungen und Beispiele zur Verfügung stehen. Auch rechtliche Fragen zu neuen Arbeitsmodellen werden relativ konkret diskutiert werden.

Bis 2025 ist denkbar, dass die Digitalisierung durch neue Technologien und Roboter die Arbeitswelt zu einem sehr weiten Teil durchdrungen hat. Zwar lässt sich die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts schwer prognostizieren, doch die Vehemenz und Häufigkeit, mit der darüber diskutiert wird, lässt vermuten, dass die Umsetzung dieses Megatrends mit dem größten Nachdruck betrieben wird – seitens der Unternehmen, der Politik, der Wissenschaft und der Öffentlichkeit (z.B. auf all den Konferenzen).

Bis 2030 wird der Wertewandel in den Unternehmen vermutlich weit fortgeschritten sein. Schon heute werden durch die junge Generation („Gen Y“) etablierte Strukturen hinterfragt und Unternehmen vor neue Herausforderungen gestellt. Junge Wissensarbeiter streben nicht mehr nach den Statussymbolen der Elterngeneration und hinterfragen ihre Arbeit nach Sinn und Vereinbarkeit mit der persönlichen Weltanschauung. Im Jahr 2030 werden diese Leute in den obersten Führungsetagen auch der großen Unternehmen angekommen sein.

Bis 2050 muss die Demografie-Frage beantwortet sein: Ist unsere Gesellschaft aufgrund Überalterung dem Untergang geweiht oder werden wir es geschafft haben, den demografischen Wandel positiv zu nutzen? Momentan scheint dieses Thema mit einem negativen Stigma kämpfen zu müssen. Dabei ist demografischer Wandel nicht unbedingt ein Risiko – insofern man die sich daraus ergebenden Chancen richtig zu nutzen weiß.

Was werden auf diesem Weg die größten Herausforderungen für Sie und Ihre Mitarbeiter sein? Was wird bleiben, was wird sich ändern?
Wir sprachen vorhin schon kurz vom „Umsetzungsstau“. Die größte Herausforderung für große wie kleine Unternehmen wird sein, erstens nicht mehr nur in Begriffen und Labels (Mobilität, Work-Life-Balance, Employer Branding…) zu denken – und zweitens nicht mehr nur klein und kleinst angelegte Projekte zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit umzusetzen (Intranet, Talentmanagement, Prozessoptimierungen…). Aktuell fehlt nämlich eine „konzeptionelle Gesamtsicht“, also ein Leitfaden zur Umsetzung der großen Visionen zur Gestaltung neuer Arbeitsmodelle. Dabei wird sich zum Beispiel auch die Frage stellen, was ein Unternehmen eigentlich ist.

Bleiben wird mit Sicherheit die Arbeit an sich. Wir sind keine Pessimisten oder Maschinenstürmer. Wir sehen aber auch die Risiken und Schwierigkeiten der Anpassung besonders in den nächsten Jahren.

Welchen Beitrag leistet Ihre Forschung aktuell?
Nachdem wir in unserer Studie einen Überblick der Debatte zur Arbeit der Zukunft gegeben haben, wollen wir uns nun einem Spezialthema widmen: Welche Fähigkeiten muss der kreative Wissensarbeiter der Zukunft mitbringen? Und wie sollen diese erlernt, erhalten, ausgebaut werden? Dazu werden wir Experteninterviews führen und auch Studenten als die Arbeitskräfte von morgen befragen, um neue Impulse für die Diskussion, aber auch praktisch anwendbare Denkanstöße zu liefern.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, in Hinblick auf die Arbeit bei Ihnen konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?
Unseren Beobachtungen aus der Studie zufolge hat sich in den letzten 10 Jahren das Workdesign in allen fünf Dimensionen geändert. Vor allem aber wird seit Mitte der Nullerjahre viel mehr über die Arbeit der Zukunft gesprochen und konferiert. Dabei werden sämtliche alten Prinzipien infrage gestellt. Das ist durchaus eine positive und spannende Entwicklung – aber viele Unternehmen verharren immer noch im Korsett ihrer etablierten Strukturen. Die letzten 10 Jahre waren also eine Phase der Erkenntnis und der Debatten – jetzt muss umgesetzt werden.

Was Umfeld wünschen Sie sich für 2025 in Bezug auf die Arbeit in Ihrem Unternehmen?
Dass sich aus den (manchmal zu) großen Worten und den (oftmals zu) kleinen Schritten konkrete Maßnahmen herauskristallisieren, die Unternehmen umsetzen, um zukunftsfähig zu bleiben. Dass sie über den Tellerrand hinaussehen und neue Impulse von dynamischen Start-Ups oder Solo-Selbstständigen, die weitaus schneller auf Trends reagieren können, aufgreifen. Durch ihre Größe und Wirkungsmacht könnten Unternehmen durch Mut zum Wandel auch politisches Umdenken bewirken, so dass die Arbeitswelt allgemein dynamischer, flexibler und individuell gestaltbarer wird.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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