Jan Westerbarkey – FamilienUnternehmensGeschäftsführer und Weiterdenker

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Jan Westerbarkey – FamilienUnternehmensGeschäftsführer und Weiterdenker

Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2024/2025) befragt.


Jan-Westerbarkey-CEO-Westaflex-Holding-II-217x300Jan Westerbarkey

ist anders. Als einer der Geschäftsführer von Westaflex steht er einem Familienunternehmen mit Tradition vor und gleichzeitig ist er doch mitten in der Gegenwart und auch gern in der Zukunft präsent. Er nimmt die Menschen ernst und nimmt sie deshalb manchmal auch ein wenig auf den Arm um sie aus der Reserve zu locken und neue Perspektiven aufzuzeigen. Und ihm gelingt – manchmal verdreht – mit Tradition in die Zukunft schauen.

 


Lieber Jan, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • Assistenz, nicht entmündigt
  • Alles ist Software
  • Nichts ist unmöglich

Das Leben wird immer komplexer, lasst es uns einfach machen. Das ist der Slogan eines aktuellen Vertrauen4.0 Projektes mit der RWTH, Aachen, präzise mit „Digitale Transformation und Arbeitswelt 4.0 SiTRA“  benannt. Dabei geht es um die Interaktion mit Maschinen, jegliche Industrie4.0 Prozesse ins selbstbestimmte Arbeiten4.0. Tatsächlich wird Wissen frei verfügbar, die schlussfolgende Innvoation und Arbeitskreativität, wie auch Motivation ist und bleibt jedoch Menschen-Kompetenz. Wenn von Wissensarbeitern gesprochen wird, denke ich nicht mehr an simple Schachcomputer-Logik-Kompetenz. Für mich ist der Charakter der Geburtsmeilenstein, gepaart mit mehrdimensionalem Denken in Netzwerk-Zusammenhängen. Etwa im Beitrag einer Hamburg Zeitung, die über einen 81-jährigen Mann berichtet, der ein ehemaliges Hotel in eine Alten-Wohngemeinschaft umgebaut hat. Sein Charakter mit Gründergeist und Enkelfähigkeit gab ihm Mut und damit die Aufbruchstimmung etwas Neues zu beginnen. Emotionale Lebewesen lassen sich nicht von Maschinen motivieren. Obwohl auch ich bei intensiver Smartphone Nutzung häufig das Gegenteil glaube. Überhaupt wünsche ich mir für Deutschland, dass wir kein Volk von Gamern, sondern von Durchblickern und Programmierern werden!
Nachdenklich stimmt mich auch, dass es keinen deutschen Hersteller von 3D-Druckern und nur so wenige FabLabs gibt. Konkret im Fall von Unikaten und Mustern, wenn in fernen Ländern schon Häuser und Organe so produziert werden. Allein die Hürden für die Zulassung eines 3D-Wurstdruckers erinnert an die Geschichte von Villarriba und Villabajo. Genau wie die Digitalisierung administrative Aufgaben und Berufe obsolet macht, wird der 3D-Druck Ersatzteil-Lager bspw. für Fahrzeug-Innenausstattungen beerben.

Was verbindest Du mit diesen Begriffen?
Ich verbinde damit nie zuvor gekannte Freiheit, aber auch Verantwortung. Nutzten seinerzeit die Römer Sklaven, um selbst auf dem Forum Romanum Gedanken auszutauschen und Visionen zu entwickeln, können wir heute auf weitgehende Automatisierung zur Erfüllung dieses uralten Menschheitstraumes setzen.
Immer, wenn neue Hilfsmittel oder Technologien zur Verfügung standen, gibt es klare Gewinner und Verlierer oder mindestens Verwerfungen in der Wirtschaftsgeschichte. Jetzt hilft Charakter oder auch Wirtschaftsethik genannt mit Verantwortung, um Stellung zu beziehen.
Dass Software immer beherrschender wird, merkt nicht nur jeder Auto- oder Schiffsbauer, sondern auch jeder Einzelne durch digitales Telefonieren oder der Fehlerfreiheit einer SEPA-Überweisung. Wenn wir uns aktuell über Fremdkontrolle oder Privatssphäre unterhalten, ist es leider so, dass Facebook, Apple oder Google stellvertretend keine deutschen Firmen sind und für die Datenautobahn nicht die deutsche Verkehrspolizei zuständig ist. Diese Hilflosigkeit kann nur eine Nation von Programmierern und quelloffener Software ohne Patentschutz beheben. Fleissiges Bevorraten mit Stamm- und Bewegungsdaten zur Auswertung in Ländern mit unterentwickeltem Datenschutz ist zumindest kein nachhaltiger Lösungsansatz.
Schon in Kolonialzeiten war entscheidend, wo die Wertschöpfung lag. Sie liegt beim Handel mit Daten eindeutig nicht in Deutschland, obwohl Wissen unser einziger Rohstoff ist.
Demgegenüber scheint nichts mehr unmöglich, kaum Begrenzungen des Unfassbaren im Neuland für Deutschland. Statt Breitband und Freifunk Industrieschutz durch nationale Datentarife, Störerhaftung und Leistungsschutzrecht, um nur einige Regularien zu benennen, die jedes junge Start-up auswandern lassen.

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten?
Zunächst das WIE
: nur noch in Englisch und nur noch in Kleinbuchstaben, sowie einzig Sprach- und Gesten-gesteuert. App-verbunden statt Tasten-Bedienung. Denn alle Dinge werden smart: das Auto, das Haus, das Fliessband. Und alle sachlichen Dinge kommunizieren, quasi sprachlich, wie die Menschen miteinander.
Das ist spannend, denn mein persönlicher Butler muss noch mehr über mich wissen, um eine veritable Hilfestellung anzubieten. Das gelebte Ich und mein Avatar werden Zwillinge, denn ich bin so einzigartig, dass ich mir eine digitale Zusammenführung trotz Science Fiction Vorlagen kaum vorstellen kann.
Und meine biometrischen Daten, vergleichbar dem Reisepass, werden Zugang zu den verteilten Cloud Datenorten geben. Die Gestensteuerung der Nintendo Wii wird nicht nur Haustiere, sondern auch abgerichtete Kräne und Gabelstapler dirigieren.

Dazu das WO: obwohl unsere Welt zum Dorf wurde und wir praktischerweise unabhängig von Raum und Zeit arbeiten könnten, glaube ich, dass unser Bewegungsradius zugleich immer kleiner wird. Warum auch nicht, wenn anziehbare Computer unsere Erinnerungen von Super8, CDi oder VHS Cassetten mobil machen und der Second Screen für so viel Abwechselung sorgt, dass wir kaum Wohnung oder Büro verlassen müssen.
Zumindest die Mobilität auf der Strasse und die Attraktivität vom Statussymbol Firmenwagen wird deutlich abnehmen. Dadurch, dass uns so viele Routine-Tätigkeiten abgenommen wurden, wird das analoge 4-Augen-Gespräch als gern gesehene Variante zur Video-Konferenz an einem gemeinsamen Treffpunkt lieber genutzt. Die gefühlte Zeitverschwendung der Anreise gibt dem nicht mehr so voll verplanten Arbeitstag sein Abenteuer und Würze. Fremdsprachen-Hemmnisse lösen Apps.

Zuletzt MIT WEM: durch faktische Migration und gelebte Diversität mit wechselnder kultureller Zusammensetzung in Kern- und Projekt-Teams. Durch schulische Förderung ist die Gender-Durchmischung längst ausgeglichen: das neue Gold ist in den Köpfen der Mitarbeiter.
Interessant ist die Zusammensetzung der Kern-Organisation, deren Zusammenhalt sich aufgrund Fachkräftemangels aus Aufgaben-Anreiz und finanziellen Beteiligungsformen und vielleicht – jeweils nur auf Zeit – ergeben wird. In Familien-Unternehmen und generell im Mittelstand könnte es zu einer Trennung von Vermögen und Mitwirkung kommen. Fremd geführt bedeutet jedoch nicht ferngesteuert: dazu muss, wie früher der englische König es verfasste, eine Magna Charta – eine individuelle Leitvision mit Stallgeruch vorgegeben werden.
Ich glaube, dass Zeitarbeit vielmehr den Charakter von EU-Scheinselbstständigkeit annimmt und ähnlich, wie Freelancer unverzichtbar wird.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2005 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?
Was vormals noch der Wechselkurs europäischer Währungen ist vergleichbar das Relikt Flugticket. Es existiert schlicht nicht mehr, der Fluggast ist eine Nummer, ein Vorgang. Daran erkenne ich aktuell, dass auf Anfrage nach einem Reisebüro in Tokio ich meine Umbuchung doch lieber auf den Webseiten der Airline zu tätigen habe. Identisch dem Sekretariat in Zeiten, in denen zwar keine Protokolle mehr diktiert, sondern diese eher selbst getippt werden. Das ist wohl das neue Selbst gemacht, statt per Ausbildung erlernt: es zieht sich über Webseiten-Erstellung bis zur Programmierung, die gleichgesetzt wird mit der Sender-Programmierung des Video-Rekorders…..
Für mich in vielen Bereichen halb-gar und unprofessionell aufgrund Selbstüberschätzung ohne Respekt vor den besagten Tücken der Technik. Es ist kein Wunder, dass viele Funktionen des Konferenz-Telefons oder des Autoradios, wie auch der Tabellenkalkulation ungenutzt bleiben.
Mit den Berufsjahren erfahre ich, dass früher nicht alles schlechter, sondern nur anders war oder simpel: 30 Jahre Computer und kein Fortschritt.
Bestimmte Herausforderungen, wie der digitale Datenaustausch und eGovernment bleiben trotz EDIFACT, SWIFT und Elster ungelöst. Allerdings vermehren sich zu Zeiten von Industrie4.0 und dem Internet der Dinge explosionsartig die Anzahl vermeintlicher Standards und inkompatibler Schnittstellen-Baustellen.
Hier bleibt nur die Lösung Home Office Anwendungen mit BYOD im Unternehmen freizugeben. So sind zwar Sicherheits-Aspekte ungelöst, die Heterogenität an Software und Endgeräten lässt sich aber nicht mehr durch verordnete Anwendungen heilen, sondern muss sich der Mobilität, Viralität und Pluralität stellen und sich ihnen öffnen.

Warum ist das so?
Wenn der Köder dem Fisch schmecken muss, sofern er an die Angel geht, gilt dieses Prinzip für den nicht Technik-affinen Westfalen ebenso. Genauso, wie ich mir sehr wohl viele Anwendungen für die Google Datenbrille im Büro und Kommissionierung denken kann, versanden gute Ansätze, wie Open Data.
Ich kann mir vorstellen, dass Firmen sich nicht nur bis zum eigenen Tellerrand optimieren, sondern mit Open Data Industry (gibt es noch nicht) Branchen- und Prozess-übergreifend arbeiten. Nur, wer macht die deutsche Jeanne d’Arc dafür, wenn das amerikanische IIC-Konsortium doch schon so viel weiter ist. Dann sollten wir allerdings auch Airbus zugunsten von Boeing und Galileo Navigation für GPS aufgeben. Siehe Anfangsbetrachtung vom europäischen Hinterher-Zotteln statt Innovator und Leitwolf-Option. Schnell sein mit Nachjustierung kollidiert mit Status-quo und Abwarten aufs Abseits.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?
Wir werden es alle noch erleben – Auswirkungen ausgesessener und unseren Kindern überlassener Entscheidungen. Auch sollten wir uns nicht über eine wenig in Lokalpolitik oder Ehrenamt engagierte Jugend wundern: es fehlt an Vorbildern und vorleben. Zumindest „um die eigene Nasenspitze“ bleibt es in meinem Fall nicht bei Wünschen und Vorsätzen, sondern lebt die Zukunfts-Zuversicht in regionalen und universitär begleitenden Umsetzungen!
Speziell für Westaflex als Produzent haben wir den Fokus von Produkten zu Lösungen gewandelt: wir schaffen Lebensräume. Damit steht auch nicht mehr Marke, sondern Funktion im Vordergrund. Im Smart Home wollen wir Adapter und Modul anstatt proprietärer Lösung sein. Unsere Sensoren und Aktoren arbeiten mit offen gelegter Dialog-Schnittstelle, was auch unserem gewandelten Verständnis zum Produktnutzen entspricht. Diese Offenheit im Denken, gegenüber Mitarbeitern und Kunden wird die Unternehmenskultur zum eigentlichen Betriebssystem werden lassen.
Wir wollen nicht mehr das Statussymbol des Direktoren-Füllers, sondern bieten konsequenterweise Coworking und Makerspace in Fertigung und Verwaltung an. Das Teilen von Maschinen-Kapazitäten verhindert die zunehmende De-Industrialisierung und bietet Tüftlern und Frei-Handwerkern Raum zur Lizenzproduktion.
Wir vermuten die kommende Hightech-Region im Nahen Osten und nicht in den BRIC-Staaten. Dies ist unser Standpunkt für produzierende Standorte, nicht im Hinblick auf Absatzmärkte. Nehmen wir Boomstaaten, wie China, so sind wir als deutscher Hersteller glaubhaft, wenn es speziell um die Lösung von Luft- und Wasserverschmutzung geht. Schliesslich schwimmen im Rhein wieder Lachse und Bitterfeld hat die Lebensqualität eines Luftkurortes wiedererlangt. Und ganz besonders: wir freuen und begrüssen die nahe Zukunft!

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe – ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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