Raymond Hofmann – Viel Wissen für von innen heraus gesunde Unternehmen

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2025) befragt.


Portrait: Raymond Hofmann
Bildnachweis: Claudia Link (claudialink.ch)

 Wer mit

Raymond Hofmann

ins Gespräch kommt weiss, da spricht jemand mit viel und aus vielfältiger Erfahrung. Er war in ganz großen und (ganz) kleinen Unternehmen tätig und bringt dieses gesamte Wissen immer mit an den Tisch, wenn es darum geht gemeinsam mit seinen Kunden durch gesundes Management gesunde Unternehmen zu gestalten.


 

Lieber Raymond, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

  • - Passion
  • - Freiheit
  • - Menschlichkeit

Meine Hoffnung ist es, dass wir im Jahr 2025 deutlich mehr davon im Arbeitsalltag von uns allen sehen werden. 

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 

Passion ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Ohne diesen inneren Antrieb sind herausragende Leistungen nicht möglich. Das bedeutet für uns alle, dass wir unsere Passion nicht nur finden, sondern auch leben müssen. Um es mit Steve Jobs zu sagen: „In order to do great work you have to absolutely love what you do.“

Freiheit macht es uns erst möglich unsere Passion wirklich zu leben. Dabei verstehe ich Freiheit als einen sehr weiten Begriff. Freiheit von gängigen Denkmustern bzgl. Arbeit und Karriere zum Beispiel. Freiheit von starren Prozessen am Arbeitsplatz. Freiheit von jeglicher Art von Zwang. Und das Selbstvertrauen, dass wir uns diese Freiheit schaffen können. Grundvoraussetzung dazu ist es, Dinge in Frage zu stellen. Immer mal wieder zu fragen: Warum ist das eigentlich so? Wer hat denn gesagt, dass Arbeit etwas ist, was wir nicht mögen, dass von Mo-Fr und von 9-17:00 Uhr stattfindet? Wenn man oft genug nach dem „warum?“ fragt, dann beginnt man zu verstehen, dass vieles von dem, was wir für „gegeben“ annehmen eben nicht „gegeben“ ist, sondern von Menschen erschaffen wurde. Und damit auch verändert werden kann.

Menschlichkeit schlussendlich ist etwas, was wir in der Arbeitswelt dringend benötigen. Das beginnt am Arbeitsplatz, wo viele von uns nicht als Menschen, sondern einfach als Ressource (und nicht einmal eine besonders wertvolle) behandelt werden. Oder denken wir an die unzähligen Produkte und Dienstleistungen am Markt, welche kaum echte menschliche Bedürfnisse adressieren, sondern lediglich darauf ausgelegt sind kurzfristig Geld zu verdienen. 

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 

Mehr Menschen werden den Mut haben, ihrer wahren Passion nachzugehen – auch wenn dies bedeutet ein unternehmerisches Risiko einzugehen. Ganz einfach darum, weil das relative Risiko viel geringer sein wird. Den sicheren Arbeitsplatz als Alternative gibt es schon heute immer weniger. In Zukunft wird es diesen noch weniger geben. Und damit wird es immer unattraktiver, im Austausch für ein vermeintlich sicheres Einkommen seine Arbeitszeit und –kraft einer nicht wirklich inspirierenden Sache zur Verfügung zu stellen. 

Mehr Menschen werden Freiheit und Menschlichkeit bei der Arbeit erleben, weil immer mehr Unternehmen erkennen werden, dass es keinen Sinn macht, die besten Talente anzuziehen nur um ihnen dann im Detail vorzuschreiben, was sie zu tun haben. Und weil immer weniger Menschen überhaupt bereit sein werden, sich in Knechtschaft eines dieser Gefängnisse für die Seele zu begeben.

Einhergehend mit dieser Entwicklung wird eine Stärkung der Sinnfrage sein. Damit wird in Zukunft mehr menschliche Schaffenskraft für die Lösung von wirklich schwierigen Fragen der Menschheit zur Verfügung stehen – und weniger für die Vermarktung von inkrementellen Verbesserungen an Produkten die niemand benötigt. 

Als Konsequenz davon wird Projektarbeit wichtiger werden, Netzwerke anstelle traditioneller Organisationen werde an Bedeutung gewinnen. Wir werden mehr Freischaffende sehen und mehr nicht-lineare Karrieren. Arbeit wird mobiler und dort erledigt, wo die Menschen gerade sind und sich wohl fühlen. Gläserne Bürotürme werden mehr und mehr verschwinden. Schon 2010 hat Jason Fried in seinem berühmten TED-Talk darauf hingewiesen, dass Arbeit nicht Arbeitsplatz erledigt wird („Why work does not get done at work“). Im Jahr 2025 wird das niemand mehr in Frage stellen.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2004 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?

Die Produktivität und Wertschöpfung der Unternehmen hat sich (wie schon in den Jahrzehnten zuvor) weiter verringert. Gemäss einer Studie des Deloitte „Center for the Edge“ liegt der durchschnittliche ROA der Unternehmen gerade mal bei 25% des Niveaus von 1965! Als Folge davon suchen Unternehmen immer verzweifelter nach Patentrezepten und „quick fixes“ um diese Tatsache in ihren Finanzergebnissen zu verschleiern. 

Leidtragende dieser Entwicklung sind wir alle. Arbeitnehmer sehen sich mehr und mehr mit sinnlosen Reorganisationen, Kostensenkungen und Verlagerung von Arbeitsplätzen konfrontiert. Konsumenten spüren dies in Form von überteuerten und qualitativ mangelhaften Produkten und Dienstleistungen. 

Und genau deshalb fehlen heute Passion, Freiheit und Menschlichkeit am Arbeitsplatz. Die gute Nachricht aber lautet: die Menschen werden das nicht mehr viel länger akzeptieren und eine starke Gegenbewegung zum Leben erwecken.

Warum ist das so? 

Nicht ganz einfach zu erklären – die Zusammenhänge sind doch ziemlich komplex. Meine Vermutung ist, dass ein Zusammenspiel von sich gegenseitig verstärkenden Entwicklungen dafür verantwortlich ist: kurzfristiges „Shareholder Value“-Denken, Schuldenwirtschaft, politischer und regulatorischer Aktivismus sowie die geduldete Ausnutzung und Pervetierung gesetzlicher Rahmenbedingungen durch erfolgreichen Lobbyismus. Und als Nährboden dafür ein Bildungssystem welches Eigenverantwortung, kritisches Denken und kreative Energie hemmt.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?

Dass ich rückblickend auf die letzten 10 Jahre einen positiven Beitrag zu mehr Passion, Freiheit und Menschlichkeit in unseren Organisationen geleistet habe. Und dass ich mich mit der gleichen positiven Energie wie heute auf die nächsten 10 Jahre meiner Arbeit freuen werden.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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