Heiko Bartlog, Gastgeber für Innovation und innovativer freiKopfler

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsführer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2025) befragt.


Heiko Bartlog

arbeitet als Agile Coach, Workshop Designer und Moderator sowie Sparringspartner für Innovationen. Er steht dabei oft mitten in dem, was andere für eine entfernte Zukunft halten, was sich jedoch häufig als sehr nahe Realität darstellt. Gemeinsam mit Christoph Karten und Guido Bosbach hat er das 30 Minuten Format "freiKopfler" entwickelt.


 

Lieber Heiko, ich freue mich sehr, dass Du Dich bereit erklärt hast Deine Gedanken und Deine persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Dir spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?
- Fünfzig

- Netzwerke

- Freude

Was verbindest Du mit diesen Begriffen? 

Ganz persönlich: Im Jahr 2025 werde ich fünfzig Jahre alt sein, mehr doppelt so alt wie zu Beginn meines „Eintritts in den Arbeitsmarkt“, also als ich meinen ersten Job nach dem Studium antrat. Das bedeutet ich werde im Jahr 2025 länger gearbeitet als „nicht-gearbeitet“ haben. Wobei ich die Übergänge durchaus als fließend wahrnehme – schließlich habe ich auch als Schüler in den Ferien gejobbt und als Student schon mit dem begonnen, womit ich heute mein Geld verdiene.

Netzwerke werden für mich stetig wichtiger und ich bin davon überzeugt, dass 1. das so weitergehen wird und 2. ich nur ein Beispiel für diese Entwicklung bin: Die Komplexität der Märkte und des Arbeitsmarktes nimmt stetig zu und damit wird auch die eigene Arbeitswelt/ Karriere immer weniger planbar. Die Effectuation-Forschung hat untersucht, auf Basis welcher Prinzipien erfolgreiche Gründer/ Unternehmer unter Ungewissheit handeln – da ist zum einen die Einstellung, das Unerwartete/ den Zufall als Chance zu nutzen und zum anderen die Offenheit, situativ Partnerschaften einzugehen. Netzwerke ermöglichen Zufälle, Netzwerke ermöglichen Partnerschaften.

Ich bin davon überzeugt, dass mir (und hoffentlich immer mehr Menschen) die Arbeit im Jahr 2025 Freude bereiten wird. Wir verbringen mehr Zeit „auf der Arbeit“ als bei den meisten anderen Dingen – es macht keinen Sinn, monatelang nur für einen Urlaub zu ackern, der dann den monatelang gesteigerten Erwartungen nie genügen kann – es macht überhaupt keinen Sinn, jahrelang für einen Ruhestand zu ackern, der dann vielleicht viel zu kurz ausfällt, um all die aufgestauten Träume leben zu können. In meiner Vision der Arbeitswelt 2025 arbeiten Menschen mit Freude im Hier und Jetzt, miteinander und nicht gegeneinander. (Ich bin da sicherlich beeinflusst durch ein Aufwachsen mit Star Trek als Utopie, in der niemand wegen des Geldes sondern jeder gemäß seiner Fähigkeiten und Präferenzen mit Freude und Engagement arbeitet.)

Was denkst Du, wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 

Wie: Hoffentlich mit viel Freude – getragen durch spannende Netzwerke und möglichst sinnvolle Tätigkeiten. Ach ja, da fällt mir ein leidiges Thema ein, die Arbeitszeit: In meinem ersten Job als Angestellter war ich froh, meine Arbeitszeiten nicht erfassen zu müssen – ich habe gerne ausgedehnte Mittagspausen gemacht, dafür auch oft bis spät in die Nacht am Projekt gearbeitet, weil ich es so wollte, als sinnvoll empfand. In meinem zweiten Job durfte ich dann sämtliche Zeiten fein säuberlich aufschreiben – ich hatte mich irgendwann daran gewöhnt, denke aber nicht, dass ich dadurch anders gearbeitet habe – oder doch: ich habe irgendwann angefangen, über taktische Zeitbuchungen nachzudenken. Effektivität ist nicht gleich Effizienz. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hoffe in 10 Jahren nicht mehr über Arbeitszeiten sondern mehr über den Wert bzw. den konkreten Nutzen von Arbeit zu sprechen.

Wo: überall. Wobei es m. E. auch 1.) weiterhin Arbeiten geben wird, die gar nicht virtuell erfolgen können sondern lokal erfolgen müssen – allerdings sind diese Tätigkeiten wahrscheinlich relativ einfach durch Roboter/ Automaten zu substituieren. Doch 2.) werden die Vorteile von „realer Zusammenarbeit“ gegenüber rein virtueller Zusammenarbeit auch weiterhin schwer wiegen – wir werden also auch künftig Teams am selben Ort erleben und das ist auch gut so!

Mit wem: mit den jeweils passenden Partnern/ Kollegen. Ich denke nicht, dass jeder (so wie ich) den Sprung in die Selbstständigkeit wagen muss – aber auch als Angestellter wird es darum gehen, situativ die passenden Verbündeten für die jeweiligen Herausforderungen zu finden und für die eigene Sache zu gewinnen, das können dann interne Kolleginnen und Kollegen sein aber auch externe Berater, Zulieferer, Partner oder Kunden.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, also in der Zeit von 2005 bis heute, konkret verändert? Kannst Du ein paar Beispiele nennen?

Mein Handy war damals noch nicht so smart – dafür hat der Akku damals länger gehalten 😉

Im Ernst: Damals war ich Angestellter, heute bin ich selbstständig. Damals habe ich klassisches Projektmanagement (Prozesse, Regeln, Methoden, Vorgehensmodelle, Tools etc.) beraten, heute berate ich Agilität, Haltung, Prinzipien. Der Anteil Powerpoint-Präsentationen zu Flipcharts in meinen Workshops hat sich von 95:5 auf 0:100 verändert.

Noch ernster: Aus meiner individuellen Perspektive, die vielleicht auch eine ganz persönliche „Filterbubble“ sein kann, haben sich seit 2005 viele Sichtweisen extrem verändert, viele Dinge, die mir vor 10 Jahren noch als alternativlos vorkamen, gerieten ins Wanken bzw. wurden längst ad absurdum geführt:

  • - Barcamps auf Augenhöhe als Alternative zu Konferenzen als Selbstbeweihräucherung
  • - Ein fluides Netzwerk von temporären Partnern als Alternative zu einer festen Organisation
  • - Scrum als strukturiertem Mittelweg zwischen Laissez Faire und klassischer Planung
  • - Intrinsische Motivation durch Sinnkopplung als Alternative zu Command & Control
  • -  …

Tatsächlich durfte ich in den letzten Jahren herausfinden, dass vieles, was ich früher intuitiv einfach so gemacht habe, was aber eigentlich nicht der Norm entsprach, dass vieles davon gar nicht so falsch war – ich kannte nur Konzepte wie Theorie X vs. Y, Agilität, Management 3.0 etc. einfach noch nicht, hatte mich aber intuitiv so verhalten und ein schlechtes Gewissen.

Warum ist das so? 

Mein Kopf sagt: Die Märkte sind zunehmend gesättigt, die Komplexität steigt, Agilität gewinnt.
Mein Bauch sagt: Eigentlich klar, gesunder Menschenverstand, oder?

Was wünscht Du Dir persönlich für 2025 in Bezug auf Deine Arbeit?

Abwechslung.
Wertschätzung.
Davon leben können.

Vielen Dank für Deine Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Dir gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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