Bernd Altgen – Vernetzer mit klarem Fokus auf den Mensch

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Wie arbeiten wir in 10 Jahren? Während wir heute oftmals in tradierten Strukturen arbeiten und denken, schreitet die technologische Entwicklung mit weiter zunehmender Dynamik voran. Entwicklungszyklen verkürzen sich, während wir selbst kaum mithalten können. Betrachtet man unter diesem Aspekt insbesondere die sich verändernde Arbeitswelt, so stellt sich die Frage:  Wie wird “neue Arbeit” aussehen? Um diese Fragestellung aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, habe ich Wissenschaftler, Geschäftsfüshrer, Personalfachleute, Führungskräfte, Selbstständige und Angestellte zu Ihrer Vision von Arbeit in 10 Jahren (2025) befragt.


Bernd Altgen

ist Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Nordeifel eG, der mitgliederstärksten Genossenschaftsbank Deutschlands. Er engagiert sich ganz stark, wenn es darum geht Unternehmen und Menschen miteinander zu vernetzen, um gemeinsam besonderes zu bewirken. In der Gemeinschaft  dieser Netzwerke sind viele Initiativen entstanden, wie das „Unternehmernetzwerk Familie und Beruf“, die Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen oder zusammen mit der Bertelsmann Stiftung das Projekt „Gesunde Region Nordeifel-Euskirchen“. So entwickelt er sein Unternehmen und die Region zu Wohle der Menschen die dort leben und arbeiten.  


Lieber Herr Altgen, ich freue mich sehr, dass Sie sich bereit erklärt haben Ihre Gedanken und persönlichen ArbeitsVisionen2025 hier mit uns zu teilen. 

Welche 3 Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Arbeiten im Jahr 2025“ ein?

Die (digitale) Revolution frisst ihre Erfinder oder zurück zum Wesentlichen: 

- Mensch im Mittelpunkt

- Ethik als Leitlinie

- Gemeinsinn statt Egozentrik/Individualismus

Alles gemeinsam und sozial sowie digital vernetzt. 

Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? 

Das, was die Menschen mit ihren ureigensten, tiefsten Bedürfnissen lebensnotwendig brauchen: als soziales Wesen Teil einer Halt und Stabilität (Schutz) gebenden solidarischen Gesellschaft und Gemeinschaft sein auch und gerade in einer digitalisierten Welt

Das Thema unserer Veranstaltung mit Ministerin Nahles am 26.10.2015 bringt es auf den Punkt: „Die Zukunft der Arbeitswelt 4.0:Der Mensch bleibt im Mittelpunkt  Mittelstand - Mensch – Region“

Was denken Sie wie, wo und mit wem wir in 10 Jahren arbeiten? 

Wer Arbeit hat, wird vernetzt sein und seine Arbeit, abhängig von Branchen, überall ausüben, Maschinen und Technik nutzend, mit Menschen kommunizierend, interagierend.

Lernfähig, veränderungsfähig sein, neues Wissen und wirkungsvolle Verhaltensweisen weiterentwickeln, das wird die Schlüsselqualifikation sein, verknüpft mit persönlicher und organisationaler Resilienz als stabiler Anker für ein gutes Leben in einer übergreifenden Balance der persönlichen Lebensziele.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren konkret verändert? Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Die Drehzahl und das Tempo haben sich erhöht, was zu Reiz- und Informationsüberflutung führt. Damit hat insbesondere der Neuro-Stress in allen Teilen der Wirtschaft und Gesellschaft zugenommen.

Jeder (egal was er macht) läuft im Hamsterrad immer schneller, jederzeit erreichbar.

Markantes Beispiel aus unserer Branche: Die Loslösung der Kapitalströme von der Realwirtschaft bei den Großkonzernen und Hedgefonds und anderen großen Akteuren der Finanzszene hat die Finanzkrise verursacht und zu einer Wirtschafts- und Staatenkrise geführt. Die Krisenbekämpfung durch die fatale Niedrigzinspolitik der EZB, die überbordende europäische Regulatorik und die populistische Überhöhung des Staates (der Glaube, dass alles Besser wird, wenn der Staat alles regelt und ins Geschehen eingreift) trifft die Falschen, nämlich den soliden Mittelstand – das Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft Deutschlands. Das Finanz-Karussell der Großkonzerne dreht sich weiter – noch mehr too big to fail, also alternativlos vom Steuern zahlenden Mittelstand zu zahlen. 

Das hat in Deutschland zur Erosion der sozialen Marktwirtschaft und mithin dem Mittelstand geführt, der mit über 70% der Arbeitsplätze das wertstabile Rückgrat der Gesellschaft bildet. Die De-Stabilisierung unseres wertestabilen, ordoliberalen gesellschaftlichen Systems wird beschleunigt, die Menschen verlieren weiter Halt, die friedensstiftende Idee Europas droht zurück zur Nationalstaatlichkeit geführt zu werden.

Warum ist das so? 

Weil im Bemühen um eine populistische Gestaltung Europas (Aufgrund des Fehlens von einheitlichen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen wird im Sinne eines "alle auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner" entschieden), das Wertefundament der sozialen Marktwirtschaft Deutschlands, der Mittelstand, beschädigt wird. Denn dessen Einzigartigkeit findet in anderen europäischen Ländern keine vergleichbaren Konzepte. Die europäische Politik und Regulatorik begünstigt Großkonzerne, obwohl sämtliche Krisen von diesen ausgingen. 

Was wünschen Sie sich persönlich für 2025 in Bezug auf Ihre Arbeit?

Gelassenheit: wir haben immer noch alles, was wir brauchen, um ein gutes Leben zu führen, auch unsere Kinder und Enkel.
Persönliche Resilienz und organisationale für mein Unternehmen und dessen Menschen (Mitarbeiter und Mitglieder) in einer „Gesunden Region Nordeifel-Euskirchen“.
Eine funktionierende, vernetzte Verantwortungs-Partnerregion Nordeifel-Euskirchen mit den vier nachhaltigen INQA-Säulen (INQA = Initiative Neue Qualität der Arbeit- die vier Säulen sind: Personalführung, Chancengleichheit & Diversity, Gesundheit, Wissen & Kompetenz) als gemeinsam nachhaltig gelebte, strategische Leitlinie. Dies im Rahmen eines starken Netzwerks von Menschen und Unternehmen, die die Infrastruktur einer lebenswerten Heimat Nordeifel-Euskirchen selbst verantworten und selbst organisieren sowie steuern.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme an der Interviewreihe - ich freue mich schon 2025 mit Ihnen gemeinsam diese Antworten noch einmal zu reflektieren. 

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